Begegnungen mit Jesus...

fold faq

Kirche.

Die Kirche ist ohne Jesus nicht zu verstehen. Sie ist seine Braut. Sie ist eher als lebendige Person zu betrachten denn als eine Institution. Sie ist uns Mutter, Tochter, Herrin, Dienerin, Schwester. Sie ist Jungfrau und Braut des Lammes – Jesu Christi.

Sie besteht aus drei Größen: Die eine ist das Geschehene – die Wirkung der Kirche in der Geschichte und die Heilgen, die wir bereits verherrlicht glauben. Die zweite ist das Präsente – das sind auch wir. Und die dritte Größe ist die Zukunft – die Vollendung der Kirche, auf die wir hin leben.

Die Kirche also nur als eine Institution ohne ihre enge Beziehung zu Christus zu betrachten heißt: Einen Berg in den Wolken zu sehen. Sichtbar ist nur ein grauer Streifen des Felsens. Das, was unter dem Boden liegt, die Fundamende des Berges und der Gipfel über den  Wolken sind nicht zu sehen. Nur wer über diese unsichtbaren Größen weiß, kann den Berg auch in dem faden Streifen voll genießen. Der Berg ist immer als Ganzes da. Jesus baut seine Kirche auf einem Felsen – auf Petrus. Er nennt einen Menschen Felsen, einen Menschen, der fähig ist, zu bekennen und zu verleugnen. Treu zu sein, wie weg zu laufen... Und dennoch weiß Jesus: Es genügt, um sein Werk sicher zu wissen...

fold faq

Armut.

Die Armut ist Jesu Lebensweise. Die hl. Klara beschreibt und erklärt die Armut in drei Punkten im Leben Jesu. Der erste ist die Krippe. Jesus, dem als Gott alles gehört, das ganze Universum, erniedrigt sich so sehr, dass er sich in ein kleines verletzliches Baby „einpasst“, das in einem Stall geboren wird. Jesus wählt hiermit das ärmlichste, was es auf der Erde gibt... Der zweite Punkt ist Jesu Leben. Er lebt ohne Eigentum. Diese Eigentumslosigkeit ist die Unabhängigkeit von Dingen, Beziehungen, von Erfolg... Jesus sucht die Massen nicht, eher die Einsamkeit. Und wenn ihn unter dem Kreuz alle verlassen haben, misst er seinen Erfolg nicht darin. Er tut den Willen Gottes und nimmt jede Situation an, die ihm begegnet. Der dritte Punkt ist sein Tod am Kreuz. Diese Hinrichtungsmethode hält man für die schlimmste, erniedrigenste. Die Juden hielten die am Kreuz Hingerichteten für Gottverdammte. Es hieß für sie, dass diese Menschen von Gott völlig verlassen seien. Am Kreuz wählt Jesus die Armut noch auf eine andere Weise: Als unsterblicher Gott nimmt er den Tod an – er ist durch den Tod hindurchgeschritten, er nimmt die Armut des totalen Verlustes an – also auch des Lebens.

Die hl. Klara empfehlt uns, dies zu betrachten und Jesus überall nachzufolgen, wo wir sind.

Der hl. Paulus drückt es auf eine interessante Weise aus: Er ist fähig im Überfluss zu leben wie in der Armut. Er kann im Erfolg leben, sowie in der Niederlage. Nichts trennt ihn von der Liebe Christi.

fold faq

Das Kreuz.

Das Kreuz ist außer seinen anderen Bedeutungen auch ein Zeichen des Übergangs. Der hl. Franziskus sagt: "Auch ein verfaultes Kreuz zeigt auf Christus hin." Nicht beim Kreuz zu bleiben, ist es, was es zeigen möchte. Eine schöne Geschichte betrachtet das Kreuz als eine Brücke zwischen zwei Ufern über einem Abgrund. Die Ufer stehen als Bild für Mensch und Gott.
Das Kreuz von San Damiano, der Geburtsstelle der franziskanischen Bewegung zeigt nicht den leidenden Christus, sondern einen dem Betrachter zugewandten, lebendigen, lächelnden, frohen Christus, der seine Arme einladend ausbreitet. Einen verherrlichen Christus.
Das Kreuz also als ein Ort - ein Lebensort. Ein Ort, wo alles seinen Platz finden kann: Leid und Freude, Scheitern und Erfolg... Einfach alles, was es auf der Welt gibt, ist dort empfangen, willkommen. Es kann dort ankommen, wird von Christus getragen und verwandelt. Gerade durch einen großen Schmerz entstehen die wahren Perlen.

fold faq

Der Kreuzweg.

Der Kreuzweg ist ein Weg des Scheiterns. Jesus ist ihn zu Ende gegangen. Ganz zu Ende, er ist gestorben und ist begraben worden. Mit seiner Auferstehung aber hat er dem Scheitern eine Verwandlung hinzugegeben. Nicht umsonst war in früheren Zeiten der Schmetterling ein beliebtes Symbol für die Auferstehung. In unserem Scheitern haben wir zwei Möglichkeiten, es durchzumachen. Die eine ist der Weg in die Depression, die andere ist der Kreuzweg. Depression scheint zunächst die einfachere Wahl. Wir verzichten auf die Verantwortung für uns im Scheitern, lassen uns gehen und verlieren den Kontakt zu unseren Gefühlen, um dem Schmerz zu entgehen. Jesu Kreuzweg lehrt uns eine andere Möglichkeit: Das Scheitern mit all seinem Schmerz bewusst auf uns zu nehmen. Dieser Weg ist meist sehr schmerzvoll und fordert von uns, ihn bis zum Ende zu gehen - bis an die äußerste Grenze unserer Kräfte. Jesus stand immer neu auf, wenn er auf dem Kreuzweg fiel. Er ist nicht vom Kreuz herabgestiegen, wie es ihm die Menge unterm Kreuz riet. Er blieb die ganze Zeit innerlich und äußerlich bei seinem Scheitern bewusst dabei. "Wenn wir mit ihm leiden, werden wir uns auch mit ihm freuen", sagt die hl. Klara. Die Wende der Auferstehung erleben wir als Geschenk am Ende unseres Leidensweges.

fold faq

Jesus in der Eucharistie und in den Menschen.

Mit dem letzten Abendmahl gab Jesus uns das Geschenk, dass wir ihm immer lebendig begegnen können, ihn unter uns erfahren in der hl. Messe. Der Satz: "Durch ihn, mit ihm und in ihm" - das ist der Mittelpunkt, um den sich all unser christliches Leben dreht. Die Auswirkung ist die Nachfolge: Mit unserer offenen Haltung, der Haltung der Verfügbarkeit geben wir ihm "in uns" selber Raum, tragen ihn so in der Welt "mit uns" und zu den Menschen "durch uns". Das beste Beispiel dafür ist Maria, die Mutter Jesu, die uns dies leibhaftig vorlebt. Die hl. Klara sagt dazu im dritten Brief an die hl. Agnes von Prag: "Wie ihn also die glorreiche Jungfrau der Jungfrauen leiblich getragen hat, so kannst auch Du ihn immerfort geistlich tragen. Du kannst den in Dir halten, von dem Du und alles gehalten wird."

fold faq

Gottes Herz.

In der Geschichte der Menschheit kommt uns Gott immer näher. Er "verlässt" einen Berg (Sinai), wo er angebetet wird und wird zu einem Gott, der mit den Menschen unterwegs ist und sie begleitet. (Der Zug des Volkes Israel ins Gelobte Land). Sein Inneres schließlich schenkt er uns in der Menschengestalt - als Jesus. Er wird berührbar, erfahrbar, sichtbar, hörbar, greifbar, angreifbar, verletzlich und sterblich. Er wird einer von uns. Wer Gott also finden, erfahren möchte von seinem Innersten her, in seinem Herzen, wird es durch Jesus Christus können. Mehr dazu: Joh 16,23.29; 17,1-5.

fold faq

Der Tod Jesu.

Der Tod Jesu ist der höchste Ausdruck der Allmacht Gottes. Gott ist fähig, den Tod völlig in das Leben zu integrieren, ohne dass es beim Sterben abhanden kommt. Es ist eine Qualitätsveränderung, ein Übergang, ein Transitus. Das Innerste Gottes, inkarniert in den Körper Jesu Christi kehrt zurück zum Ursprung ohne je voneinander ganz getrennt zu sein. In diesem Vorgang werden wir alle miteinbezogen.

fold faq

Ewiges Leben.

Wir erinnern uns nicht daran, aber das ist kein Beweis dafür, dass es ein "vorher" nicht gibt. Jesus hat dies nicht "vergessen" - immer wieder suchte er und fand die Einheit mit seinem Ursprung - Gott Vater - und wusste, dass er einmal zurück kommen wird. Dies macht den Sinn des irdischen Lebens aus: Wir sind hierher gesandt, um die Welt zu gestalten - und uns in ihr und durch sie zu gestalten, zu formen. Diese Aufgabe ist die Teilnahme am Schöpferwerk Gottes. Hier gründet und mündet auch die franziskanische Liebe zur Natur, wie es der hl. Franziskus so schön in seinem Sonnengesang ausgedrückt hat. Wir sind eingeladen, Mitliebende mit Gott zu sein. In Jesus und durch ihn können auch wir zu unserem Ursprung immer wieder den Kontakt aufnehmen, Jesus zeigt es uns in den Evangelien in ganz verschiedenen Situationen. Wir können so auch uns selber begegnen in unserem inneren Kern, uns selber in der Ursprungsform begegnen - und wahrhaft lieben lernen.