04.08.2018 15:38 Alter: 106 days

Novene zum Klarafest - 3. Tag


3. Tag – Erkennen

Stelle Dein Denken vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Abglanz der Herrlichkeit, stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit, und forme Deine ganze Person durch die Beschauung in das Bild seiner Gottheit um, damit Du empfindest, was seine Freunde empfinden, wenn sie die verborgene Süße verkosten, die Gott selbst von Anbeginn für die aufbewahrt hat, die ihn lieben. Beachte nichts von dem, was in dieser trügerischen, unruhigen Welt ihre blinden Liebhaber umgarnt.“ (3.KlBr12-16)

Klara hat wahrscheinlich ihre Gotteserfahrung vor dem Spiegel gemacht.

Ein gewöhnlicher Spiegel zeigt das Gesicht verzerrt, weil verkehrt: Die linke Seite ist „aus dem Blick des Spiegels“ die rechte und umgekehrt. Der Spiegel zeigt also nicht mein wahres Antlitz! Er ist nicht echt, nicht korrekt, er ist nicht wahrhaftig. Ein Spiegel ist ein Instrument, das etwas nur ungefähr zeigt. Was spiegelt all das, was mich umgibt? Welche Wahrheit zeigt sich mir in all dem verkehrt, was bedarf sorgfältigerer Klärung?

Wenn ich „Gott“ denke, höre oder sage, kommt mir etwas in den Sinn, was ich bis jetzt zu dem Thema erfahren habe. Daraus ziehe ich meine Schlüsse. Doch wie wahrhaftig ist mein Folgern? Bin ich Gott wirklich begegnet? Weiß ich wirklich, wie er ist und wie er zu mir steht? Klara schlägt vor, aus drei Winkeln den Spiegel „Gott“ zu betrachten: Aus der Perspektive meines Denkens, meiner Seele, meines Herzens. Der Blick des Denkens kann das Vergangene, das Jetzige und auch das Zukünftige umfassen. Das Denken ist zeitlos. Ich kann lernen, in größeren Zusammenhängen zu sehen. Die Seele ist der Ausdruck der Würde, der Ungebundenheit an alles Begrenzte und Vergängliche. In ihr steckt die wahre Freiheit. Und das Herz hat immer schon den „sechsten Sinn“ gehabt, es kann das Richtige spüren, erahnen, was dem Verstand nicht plausibel genug ist. Das Herz kann oft zwei Schritte voraus sein, ohne es erklären zu können...

Heute möchte ich über Gott nachdenken. Wie verstehe ich ihn? Vielleicht habe ich in mir verschiedene Bilder von Ihm, die mir Unbehagen verursachen. Vielleicht fühle ich mich zu sehr zu einer Form des Glaubens gedrängt. Vielleicht habe ich Ihn deshalb schon längst aufgegeben.

Heute möchte ich für mich buchstabieren, wie ich ihn verstehe, wie ich ihn erfahren habe, wie ich ihm begegnet bin oder wie ich mich nach ihm sehne.

Für heute reicht nur das: MEIN Gott. Wie ist er?

Hl. Klara, bitte für uns.