Kategorie: Franziskanisches Kallender

2. März - hl. Agnes von Prag

Gedenktag der hl. Agnes von Prag


Hl. Agnes von Prag

Geboren wurde Agnes 1211 als jüngstes Kind des Königs Ottokar I. (Premyslid) und der Constanze aus dem Herrscherhaus Arpad, Ungarn. Schon als 3-jähriges Kind wurde sie mit dem Herzog Poleslaus verlobt und kam nach Trebnitz, wo sie von den Zisterzienserinnen erzogen wurde. Nach dem plötzlichen Tod des Verlobten verlobte sie sich mit König Heinrich, dem Sohn des Kaisers Friederich II. So kam Agnes nach Wien. Die Verlobung wurde aus politischen Gründen aufgelöst, so kam Agnes wieder nach Prag.

Zwei Ereignisse waren für sie von großer Bedeutung: Die Ankunft der Franziskaner-Brüder in Prag, die ihre Berater wurden und der radikale Schritt ihrer Cousine Elisabeth von Thüringen, die nach dem Tod ihres Gatten alles verließ, um nach dem Geist des hl. Franziskus von Assisi arm zu leben.

Als Agnes dann von der adeligen Klara von Assisi hörte, deren Weg dem ihrigen glich, wollte sie das gleiche tun. Es entstand ein wertvoller Briefkontakt zwischen diesen zwei Frauen, der von anfangs ehrfürchtigem Ton bis in die intimste Freundschaftsbeziehung und die schwesterliche Liebe hineinwächst. Vier Briefe von Klara sind uns erhalten (der erste aus dem Jahre 1235), die Briefe von Agnes gelten als verschollen.

Agnes suchte nun fortan die Nähe der Armen und Notleidenden, die sie finanziell und vor allem menschlich-liebend betreute. Als sie dann einen neuen Heiratsantrag von Kaiser Friederich II., dem Vater ihres früheren Verlobten bekam und damit die Möglichkeit, Kaiserin zu werden, wusste sie schon fest, dass sie sich für Christus entscheidet und lehnte den Antrag ab. Kurz darauf verkaufte sie alles, was sie besaß. Aus dem Erlös stiftete sie ein Spital (zusammen mit ihrem Bruder Wenceslaus), Kirchen und Klöster. Sie selber pflegte die Aussätzigen, Ausgestoßenen und Kranken, bis sie selber in das von ihr gegründete Klarissenkloster 1234 eintrat, wo sie so arm und bescheiden lebte wie alle ihre Mitschwestern. Sie heizte die Zellen ihrer Mitschwestern, half bei der Zubereitung der Speisen, säuberte Zellen und flickte Gewänder. Sie wusch sogar mit eigenen Händen die schmutzigen Gewänder der kranken Schwestern und der Aussätzigen.

In der Zeit war es üblich, dass eine Königstochter ein Kloster gründet und in ihm Äbtissin wird, das würde auch ihrem Stand entsprechen, sie wäre dann die Reichsäbtissin. Ähnlich war es auch bei Klara - sie hätte mit ihrer Familie keine große Auseinandersetzung haben müssen, wenn sie in ein Kloster eintreten würde, in dem sie von ihrem Stand aus angesehen sein könnte. Doch dies galt ganz und gar nicht für die Klöster mit der Lebensweise des hl. Franz von Assisi. 

Der Weg der Agnes von Prag wurde zunehmend steiniger. Da sie in kargen Umständen (bedenken wir die sehr rauhen Winter) lebte, wollte sie auch eine eigene Regel verfassen. Die Bestätigung wurde ihr - anders wie bei Klara - verweigert. Bis zum Ende ihres Lebens lebte sie in großer Not - leiblicher aber auch seelischer, da sie keine Unterstützung seitens des Adels und der Kirchenobrigkeit bekam.

Agnes wurde am 16. November 1989 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.


Literatur: Größtenteils: Gottfried Egger: Franziskanerinnen und Franziskaner; Kanisius Verlag, Freiburg Schweiz 2000; S. 14. ff