07.08.2018 17:16 Alter: 77 days

Novene zum Klarafest - 6. Tag


6. Tag - Weg

Der Sohn Gottes ist uns Weg geworden; diesen Weg hat unser seliger Vater Franziskus, der Christus wahrhaft liebte und ihm nachfolgte, durch sein Wort und Beispiel uns gewiesen und gelerhrt. (Klaras Testament 5)

Jesus war eigentlich die größte Enttäuschung. Auch für die, die zunächst von ihm begeistert waren. Es fing alles so gut an: Ermutigende Worte, Wunder, Heilungen von Krankheiten, die passende Antworten dem damaligen „Klerus“, die ihm klar die Schränken wiesen. Doch schauen wir genauer hin – nicht aus unserer Perspektive, sondern aus der Perspektive Jesu selbst: Geboren als ein Obdachloser, verfolgt als Baby, immer existenziell bedroht. Flüchtling; nach der Rückkehr mittellos. Schlichter Handwerker. Und als er zum ersten Mal den Mund auftat, wollten ihn seine Nachbarn aus dem Berg stürzen. Gehasst von Machthabern, gleichgültig den römischen Besatzern. Schließlich nur eine Nummer auf dem Hinrichtungsplan, verlassen sterbend – von Menschen und von Gott.

Klara und Franziskus waren von Jesus begeistert, doch wer genauer auf ihr Leben schaut, sieht auch die tiefen Wunden der Ablehnung, der Krankheit, des Missverstandenwerdens. Sie sind aber leidensfähig geworden. Wie schafften sie es?

„Jesus ist uns Weg geworden“ - schreibt Klara am Anfang ihres Testamentes. Jesus – ein Name, der in vielen Herzen Widerstand auslöst. Weshalb eigentlich? Wage ich es heute, mich mit ihm zu treffen, mit ihm zu reden, ihn in meine Nähe zu zu lassen?

Heute kann ich mein Leben in einer anderen Perspektive sehen: Aus der Perspektive Jesu. Ich gehe mein Leben durch – lasse die Erinnerungen heraustreten, die kommen – und stelle sie vor den Spiegel des Lebens Jesu: Sehe ich sie darin? Hat er auch das gleiche, oder etwas ähnliches erlebt? Ich schaue genau, lasse mir dafür zeit und Ruhe. Wenn Gefühle kommen, lasse ich sie kommen und spiegele auch sie in den Gefühlen Jesu. Habe ich schon mal im Neuen Testament die Gefühle Jesu entdeckt? Was fühlte er alles? Ist es mir nicht auch sehr bekannt? Mensch wie wir, Gott wie wir ihn uns nur wünschen können. Der Einzige, der nicht im Leiden blieb, sondern hindurch gegangen ist – deshalb der WEG.

Heilige Klara, bitte für uns.