10.08.2018 14:18 Alter: 124 days

Novene zum Klarafest - 9. Tag


9. Tag – Verzeihung

„Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Not. Selig, die ausharren in Frieden, denn du, Höchster, wirst sie einst krönen." (Aus dem Sonnengesang des hl. Franziskus)

Verzeihen und entschuldigen sind zwei verschiedene Sachen. Wenn bei einem Unfall oder Konflikt jemand verletzt wird, ist es die Regel, dass man sich zunächst um den Verletzten kümmert. Der Schuldige wird erst später vor Gericht gestellt und verurteilt oder freigesprochen.
Wenn das entschuldigen als erstes eingesetzt wird, ist es ein Versuch, die Lage zu verschönern, nicht so ernst zu nehmen und so den Schmerz des Geschehenes zu umgehen. Dies führt dazu, dass sich die Seelenwunden zwar schnell schließen, aber im Inneren eitern sie, da sich dort viele krankmachende Gefühle wie Wut, Groll, Neid, Enttäuschung, Trauer, Verzweiflung... verbergen.
Dagegen ist die Verzeihung ein Werkzeug zur seligmachenden Freiheit. Wir begegnen ihr nun ganz am Schluss der Novene, weil wir erst an diesem Punkt des Weges zu verzeihen fähig sind.

Klara blickt vor ihrem Tod auf ihr Leben, doch sie kann noch nicht sterben, solange sie die Geschichte Ihrer Berufung nicht zu Ende schreiben kann: Sie wartet auf die päpstliche Bestätigung der von ihr geschriebenen Regel für ihre Gemeinschaft. Schwere Kämpfe hatte sie dabei zu bestehen. Immer wieder versuchte die römische Kurie sie dazu zu zwingen, von ihrem Weg der schlichten Nachfolge Christi abzulassen und sich durch Besitz abzusichern. Diese hart erkämpfte Bestätigung kommt gerade drei Tage vor ihrem Tod. Klara war also bis zuletzt in der Spannung, die sie oft genug an der Kirche und ihren Vertretern verzweifeln lassen konnte. Sie hatte sicher oft die Wahl zwischen Abkehr und treuem Ausharren im Vertrauen in die Macht Gottes, die stärker ist, als ihre...

Nicht verzeihen können ist möglicherweise das einzige Hindernis, das uns den Weg in unsere ewige Heimat versperren kann. Ich bitte meinen Gott darum, mir die Fähigkeit dazu zu schenken, denn oft reicht da meine Kraft nicht aus...

Ich möchte heute mutig und klar die Sachen benennen, die in meinem Leben nicht richtig waren oder sind. Sowohl die, die mir durch andere Menschen oder Institutionen angetan wurden, oder die ich mir selber zugefügt habe. Heute möchte ich die Gefühle zulassen, die diese Erinnerungen aus meinem Inneren heraus holen.
Und dann habe ich die Wahl: Ich habe Recht auf eine Wiedergutmachung, ich könnte mich sogar für die Rache als Genugtuung entscheiden. Doch Gott sagt dazu: „Mein ist die Rache.“ (Röm 12,19) Was besagt das? Ich muss es nicht tun! Ich kann davon lassen. In meiner Freiheit übernehme ich nicht die Verantwortung dafür, was mit denen passiert, die mir Böses getan haben. Für sie sorgt Gott (auch wenn ich weiß, dass er auch für sie ein guter Gott ist). Es entlastet enorm!
Dann kann ich mich auf die andere Wahlmöglichkeit konzentrieren: Ja, ich bin verwundet, das passiert in dieser Welt. Ja, irgendwann sterbe ich sogar... Ich nehme den Schmerz an, ich konnte mich ihm nicht entziehen. Ich benenne mutig all das, was ich einstecken musste.
Da ich weiß, dass es mir zum Guten werden kann, kann ich im inneren Gespräch denen verzeihen, durch sie mir Leid geschah.
Erst jetzt kann ich auch sie in einem anderen Licht sehen und Einsichten in ihre Situation gewinnen, die ihr Handeln vielleicht auch entschuldigen. Die Versöhnung ist jetzt möglich, die Wunden verwandeln sich in Edelsteine.

„Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Lobt und preist meinen Herrn und dankt und dient ihm mit großer Demut.“

(Aus dem Sonnengesang des hl. Franziskus – diese Strofe dichtete er, als er schwer krank im Garten des Klosters San Damiano, wo Klara und ihre Schwestern lebten, in einer Strohhütte etwas Ruhe und Erholung suchte)


Heilige Klara, bitte für uns.