Ich habe eine Frage...

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Was ist das schönste am Ordensleben?

Dass ich Christus ganz gehören darf :-)

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Wie meinen Sie, kann man die richtige Ordensgemeinschaft finden, wenn man berufen ist?

Die richtige Gemeinschaft finden - eine sehr wichtige Frage! Denn Gott ruft in eine konkrete Gemeinschaft! Erstmal sich vielleicht bewusst werden, welche Spiritualität entspricht meinem Innersten. Ich empfehle gerne das Lesen der Biographien der Ordensgründer oder der Ordensheiligen. Irgendetwas spricht beim Lesen einen Menschen so stark an, dass das eigene Innere irgendwie "Antwortet". Ja - Mein Innerer Mensch weiß es dann, ich erlebe tief in mir eine starke Bewegung. Und dann kommt die Sehnsucht nach dem konkreten, die immer mehr wächst.

Zweite Möglichkeit ist die Begegnung. Viele finden ihre Berufung durch das Erzählen der Ordensleute über ihre Lebensweise. Oder auch durch andere Menschen - jemand sagt etwas, was mich genauso beeindruckend anspricht, wie oben beschrieben, ohne es zu ahnen... Z.B. stieg einmal die künftige Mutter Teresa auf einem Bahnhof um und beim Einsteigen in den anderen Zug hörte sie: "Mich dürstet!" Diese Bitte wiederholte sich. Sie wandte sich um und sah einen Bettler, einen kranken Menschen in Kalkutta... Und diese Worte "Mich dürstet!" sind genau mit denen von Christus am Kreuz identisch. Sie wusste: Jesus selbst hat sie durch diesen Mann gerufen! Ihre Mitschwester hörte und sah das gleiche, doch bei ihr hat es keineswegs diese Resonanz gefunden!

„Herr, lass mich heute aufmerksam sein auf Deinen Ruf! Lasse mich Deine

Wegzeichen erkennen und verstehen! Führe Du mich auf dem Weg meiner

Berufung, die Du mir schenken möchtest. Ich möchte gerne glücklich sein und

für die anderen zum Segen!

- könnte als ein kleines Morgengebet Deine Tage begleiten :-)

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Welche sind die schweren Seiten am Ordensleben?

Schwer ist der Anfang, weil es viel Umstellung bedeutet. Körperlich, seelisch und psychisch. Der Mensch lernt sich anders kennen, als er sich vorher erlebt hat, lernt neue Seiten an sich kennen... Dies ist wiederum eine wertwolle Erfahrung, weil es die eigene Begrenztheit erweitert.

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Was ist am wichtigsten im Ordensleben?

Ich glaube, jede würde auf diese Frage eine andere Antwort geben. Ich

glaube, am wichtigsten im Ordensleben ist es, ein mehr liebender Mensch zu

werden eine ganz tiefe Beziehung mit Jesus zu leben bzw. zu suchen, sein Angesicht zu suchen...

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Ist man dann beim Eintritt bei der Kirche oder beim Orden angestellt oder Arbeitssuchend oder was auch immer?

Mit dem Eintritt bin ich Mitglied dieser Ordensgemeinschaft und lebe
einfach in und mit ihr. Arbeitsrechtlich läuft das als
Ausbildungsvertrag mit unserem Kloster bzw. Ordensgemeinschaft. Das
beinhaltet, dass ich mich unentgeldlich in die anstehenden Aufgaben der
Gemeinschaft einbringe, sie dafür aber Ausbildung, Kost und Unterkunft
und Versicherungen...trägt

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Wenn es z.B den Eltern schlecht geht, darf man die dann besuchen?

Das Thema Eltern ist ein sehr wichtiges! Wenn Eltern kein anderes Kind haben,

ist die Schwester natürlich verpflichtet, zu tun, was sie für sie tun kann.

Es gibt Schwestern, die regelmäßig zu ihren Eltern gingen, wenn sie schwer

krank waren. Es gibt auch Fälle, wo eine Schwester für einige Wochen

bei den Eltern wohnt, um ihnen behilflich zu sein. Es darf aber ihre

Berufung nicht gefährden. Nach der Lösung guter Pflege für kranke Eltern

wird gesucht.

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Was genau bedeutet der Begriff Armut: Gibt es Taschengeld, darf man noch zum Frisör, was dürfen Kleidungsstücke kosten, die nicht zum Habit gehören? Wieviel persönliches Eigentum ist erlaubt an Möbeln, Büchern etc?

Begriff Armut: Kaum ein Begriff wurde in der Geschiche - besonders unserer

franziskanisch orientierten Orden so oft hin und her überlegt, wie dieser!

Ich versuche es also auch ;-)

Wir leben von dem, was Menschen uns schenken. Das verpflichtet uns auch, sorgfältig damit umzugehen. Keine sitzt hier "auf der Kasse". Deshalb: Wenn eine Schwester etwas braucht, kann sie es bekommen. Ich habe eher gemerkt, dass das Geld nicht so furchtbar wichtig verstanden wird.


Jede Schwester bringt sich nach Kräften ein in die vielen Dienste im Kloster, selbstlos, ohne Entgeld. Wenn wir können, versuchen wir, unseren Lebensunterhalt zu unterstützen in der Paramentik oder Nähstube, oder im Verzieren der Kerzen oder mit anderen Begabungen, die die einzelnen Schwestern einbringen.

 

Zum Frisör darf natürlich die Postulantin gehen, da sie ihre Haare ja noch

offen trägt. Ab Noviziat ist Frisör nicht mehr notwendig. :-D

Kleidungstücke: Ab dem Noviziat tragen wir alle den Habit und zur Arbeit Kittel. Die dazu gehörige Wäsche bekommt jede Schweser nach Bedarf. An Schuhen sollte jede Schwester das bekommen, was ihr gut tut. Wir kaufen keinen Luxus, aber es liegt uns auch daran, die Sachen für ihren wirklichen Wert zu kaufen.


Persönliches Eigentum an Büchern und Möbeln... Wir haben eine große

Bibliothek. Jede Schwester darf aber auch persönliche Bücher bei sich haben. Da unser Kloster genug Möbelstücke hat, kann sich jede Schwester ihre Zelle so einrichten, dass sie

sich dort wohl und zufrieden fühlt. Die sind aber kein Privateigentum. Die

hl. Klara warnt davor, dass ein Kloster irgendetwas von dem Eigentum der

Kandidatin annimmt. Dies ist ein sehr kluger und erprobter Rat. Wir sind

nämlich schnell geneigt, Sachen "mein" zu nennen und an ihnen zu hängen ;-)

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Was passiert mit meinem Geld, wenn ich eintrete?

Das Kloster nimmt nichts vom Eigentum der Kanditatin an. Sie kann (und in Anbetracht der heutigen Situation empfehlen wir es sogar)ihr Konto bis zur Profess weiter bestehen lassen, aber nicht darüber verfügen. Sie soll freilich ihre Güter verkaufen, denn Verpflichtungen gegen z.B. Immobilien, oder auch Auto oder sonst welche Gegenstände würden ihr im Weg stehen. Ein Einschnitt soll jeder Eintritt bereits sein.

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Wie ist das mit Sport in der Klausur? Schwimmen, Radfahren, Joggen nur zur Erholung? Oder darf das nur innerhalb des Klosters stattfinden?

Eine sehr wichtige Frage!!! Einen Ausgleich zu eher

ruhigen Körperhaltungen (beim Gebet oder gemeinschaftlichem Beisammensein)

schafft etwas Gartenarbeit. Ein Garten ist auch deshalb eine wichtige Komponente in den kontemplativen Klöstern. Weil dies aber nicht ausreicht,

haben wir auch Sportgeräte.

Von Zeit zu Zeit braucht jede Schwester auch Erholung. Dies ist auch in

unseren Konstitutionen (Richtlinien) fest verankert. Also darf jede

Schwester, wenn es notwendig ist irgendwohin zur Erholung gehen.

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Wie funktioniert es eigentlich im Postulat mit dem Arbeitsverhältnis? Ich kann ja dann meiner regulären Arbeit quasi nicht nachgehen.

In der Tat ist das Postulat bei uns der Anfang des Klosteralltags mitallem drum und dran... :-) Äußerlich unterscheidet sich der Tag einer Postulantin vom Tag einer Schwester mit der Ewigen Profess nicht. Sie arbeitet mit in den verschiedenen Arbeitsbereichen und nimmt soweit sie kann am Chorgebet und den gemeinsamen Unternehmungen teil. Also heißt der Eintritt ins Postulat, dass die Kandidatin die Bedingungen ihres bisheriges Lebens völlig ändert. Dazu gehört auch die Kündigung der Arbeitsstelle. Dies ist heutzutage kein leichter Schritt, deshalb setzen wir gerne vors Postulat noch Kandidatur - es ist eigentlich die Zeit der ersten Kontakte bis zur Entscheidung.

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Ich denke, die Gemeinschaft kann zusätzlich stützend wirken, aber ist das in Wirklichkeit auch so?

Ja! Oft stelle ich fest, wie sehr ich getragen bin! Ich staune immer wieder darüber, wie mich meine Mitschwestern ertragen können. Auch wenn ich mal nicht korrekt reagiere und etwas mehr "Temperament" sich zeigt ;-) lassen Sie mir Raum und tragen die Situation nicht nach. Einfach gesagt: Wir ertragen und tragen unsere Fehler und Schwächen miteinander - und profitieren ja auch aus unseren Stärken... Aber oft ist auch die Gemeinschaft nicht einfach zu leben. Eben es überschneiden sich hier die 2 Aspekte: Die Stellvertretung und das: Einander Stütze zu sein.

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Kann man als Schwester im Falle, dass sie Zweifel bekommt, dann mit jemandem sprechen, oder ist das etwas, was sie mit sich und Gott ausmachen soll?

Jeder Schwester steht es frei, einen Geistlichen Begleiter zu haben, er kann auch jemand anders sein als unser Beichtväter. Wir sind nicht Experten, wir kämpfen auch mit dem, was uns unser Leben, unsere Natur, unser Temperament ;-), unser Werden zumutet. Deshalb brauchen auch wir oft Hilfe. Es ist erstaunlich, wie menschlich man sich im Kloster erlebt und "feststellt" :-)

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Ich stelle mir ein Leben in einem kontemplativen Kloster als in einem gewissen Sinn weniger von Schicksalsschlägen gebeutelt vor, als das anderer Lebensformen. Aber - ich weiß es natürlich nicht - ich denke auch ein Kloster ist nicht davon befreit.

Weniger Schicksalsschläge - ja und nein. Es ist so: Ich bekomme nicht alles hautnah mit, was die Menschen leiden. Aber wir bekommen von viel mehr Leid Kenntnis, denn es sind viele Menschen, die uns ihr Leid anvertrauen und ums Gebet und um Beistand bitten! Und noch eins: Wir merken oft, dass wir am Leid der Welt Anteil haben. Oft ist hier eine Situation, die genau dazu passt, was irgendwo in der Welt passiert. Unsere Berufung ist oft stellvertretend. Gott mutet uns das Mittragen zu. Nicht umsonst beschreibt die hl. Klara unsere Berufung als: Helferin Gottes selbst und Stütze der gebrechlichen Glieder seines Leibes zu sein... (Im Brief an Agnes von Prag).

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Haben Ordensschwestern nie den geringsten Zweifel? An sich, an die Gemeinschaft, an Gott?

Jede, die ins Kloster eintritt, stellt schnell fest: Auch hier läuft ein ganz normales Leben - ein menschliches Leben, das vor nichts schützt. Auch hier sind wir dem Wind und Wetter der "Welt" - so wie sie ist, gegenübergestellt, in sie hinein gestellt. Auch hier gilt es also: Den Glauben, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Die geregelten Gebetszeiten sind uns allerdings eine große Hilfe dabei.

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Ist es eigentlich erlaubt, dass man noch ein bisschen Privatleben hat, also z.B. lesen, Sprachen lernen... Auch wenn eigentlich niemand was davon hat?

Das eigene Privatleben ist genauso wichtig, wie das Gemeinschaftsleben! Nur der ist gemeinschaftsfähig, der auch Einsamkeit verträgt - und sinnvoll gestalten kann.
Selbststudium ist auch ein wichtiger Teil unserer Lebensweise. In unserem Kloster sorgen wir für eine gute, moderne Bibliothek mit einer breiten Auswahl an Büchern. Auch Sprachkenntnisse sind von Vorteil! Schwestern können so weltweite Kontakte pflegen und auch gute Fachliteratur (Franziskanische Spiritualität) übersetzen. Es gibt sogar Klarissen, die sich an der Franziskanischen Forschung beteiligen.

Zum Aspekt der Zwecklosigkeit: Nicht alles, was ein Mensch macht, muss verzweckt werden! Das schlichte Da-Sein genügt. Deshalb messen wir unsere Tätigkeiten, seien sie gemeinschaftlichen oder privaten Charakters nicht nach Nutzen ab. So ist genauso eine Schwester, die "nichts mehr tut", die sogar gepflegt werden muss und - ja - viel Geld und Kraft kostet... genauso wert, wie eine Arbeitstüchtige, die Vieles mittragen und mitgestalten kann.

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Ich bete gerne... aber viele Stunden am Tag bewegungslos im Gebet verbringen, das kann ich mir doch noch nicht so richtig vorstellen.

"Betet ohne Unterlass!" Fordert uns der hl. Paulus heraus... ;-)

Es gibt verschiedene Gebets-Gebärden und die sind sinnvoll! Stehen, sich verbeugen, knien, auf dem Boden hocken, sitzen, spazieren... und das wechselt sich auch ab. Außerdem wird das Gebet immer "dosiert". Wir beten 6-7 mal am Tag. Der Wechsel kommt auch dadurch, dass wir einiges gemeinsam und einiges persönlich beten.

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Ist es nicht manchmal schrecklich langweilig, sein Leben (also das sind ja ziemlich viele Jahre) "nur" mit beten zu verbringen?

Das war eine der Ängste, die ich vor dem Eintritt selber hatte!!! Nun bin ich knapp 10 Jahre da - und ich habe keine einzige Minute Langeweile gehabt! Und so geht es allen Schwestern. Wieso: Der Tag ist gut strukturiert - es wechseln sich Zeiten des Gebetes, Arbeitszeiten und Freizeiten ab. Es ist eine schon über 1000 Jahre erprobte Lebensweise, die eigentlich sehr gesund ist. Nichts nimmt überhand, nichts kommt zu kurz. In diesem Wechsel liegt auch viel Kreativität, die das Innenleben eines Menschen sehr aktiv macht! z.B. die Zeiten der Stille ermöglichen ein reges Gedankenleben.

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Spüre ich nach einiger Zeit, ob dies mein Weg ist?

Am Anfang des Ordenslebens steht ein langer Formationsweg. Hier werde ich konfrontiert mit meinem eigenen Gewordensien, mit der Lebensform der Gemeinschaft, mit dem leben nach dem Evangelium, mit Gott. im Gehen spüre ich, ob dies der Raum ist, wo ich meine persönliche Berufung leben kann, wo meine Liebe wächst, wo ich mir selbst näher komme, wo ich Gott finde und er mich glücklich macht... wo mich auch meine Mitschwestern kennenlernen. Im achtsamen hören aufeinander und auf Gott kommt die Klarheit. Dann ist meine Fähigkeit gefragt, sich zu entscheiden und zu der Entscheidung zu stehen - in guten, sowie in schlechten Zeiten...

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Ist das Leben in der Klausur schwer?

Der heilige Franziskus sagt dem Interessenten: "Wenn es Dir gut tut, dann komm!" Ich wähle, was meinem Wesen am tiefsten entspricht, was ich im Innersten möchte, wohin mich die Sehnsucht ruft. Dann ist die Klausur der Ort, an dem ich meine Liebe leben darf. Ich tue es gerne und mit Freude und das darf auch mal schwer sein. Hingabe, die aus meiner Sehnsucht wächst, beglückt und fordert.

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Welcher Prozess geht der Aufnahme in Ihre Gemeinschaft voraus?

Jeder Berufungsweg ist individuell, so ist es unsere Aufgabe, diese Berufung zusammen mit der Interessentin zu suchen. Darum ist ein intensiver Gesprächskontakt wichtig. Ein erster Besuch in unserem Kloster (ca 3 Tage als Gast im Außenbereich) und mindestens ein 1-wöchiger Aufenthalt bei uns in der Klausur dienen der Berufungsklärung für beide Seiten. Eine Kanditadin muss katholisch und in guter physischer und psychischen Gesundheit gemeinschaftsfähig sein. Sie braucht eine abgeschlossene Ausbildung. Mitbringen sollte sie Bereitschaft, sich auf unsere Gemeinschaft und Spiritualität einzulassen und Offenheit, sich formen zu lassen in ihr eigenes Selbst ;-)

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Ich möchte wissen warum ihr Klarissen heisst?

Unser vollständiger Name ist: Armen Schwestern der heiligen Klara. Die Hl. Klara nannte ihre Gemeinschaft einfach nur "Arme Schwestern". Nach ihrem Tod fügte man "der hl. Klara" dazu. Allgemein nennen wir uns Klarissen. Bitte aufpassen - Klarissen, nicht Klarissinnen, denn es gibt keine männliche Form von diesem Namen.

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Welchen Sinn hat die Kontemplative Lebensweise?

Grundsätzliche Frage! Nun - am einfachsten zu beantworten: Seine Unverzwecktheit. Mit unserer Lebensweise, alles verschenkend sich alles schenken zu lassen, setzen wir ein Zeichen: Gottes Verschwendung an uns Menschen. Ich glaube, dies wäre ein gutes Thema fürs Forum!

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Wie stelle ich fest, ob ich berufen bin?

Wenn mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf geht, und so vieles um ihn herum seinen Sinn verliert, wenn mich immer öfter die Kirchentür anzieht und ich still beten möchte, wenn in mir Sehnsucht wächst nach Etwas, was ich nirgendwo finde, wenn ich die Grenzen der tatkräftigen Liebe erfahre und doch noch mehr lieben möchte... Tja... diese Liste kann sehr lang werden! Sprechen wir mal darüber!