Die einzelnen Schritte der Ausbildung

Die Zeit vom ersten Kennenlernen bis zur endgültigen Wahl dieses Lebensweges ist eine Probezeit, die dazu dient, festzustellen, ob Gott mich wirklich zu einer Klarisse berufen hat - und ob ich mich als Klarisse Gott und den Menschen schenken möchte. Diese Zeit dauert insgesamt 6-9 Jahre, je nach-dem, wie viel Zeit ich brauche, die einzelnen Schritte zu bestehen. Jeder Schritt hat seinen eigenen Schwerpunkt, sein Ziel und seine Aufgabe in der Probezeit. In allen Schritten werde ich geistlich und menschlich von einer Schwester fachkundig begleitet.

Als eine interessierte Frau darf ich der Frage nachgehen, ob ich tatsächlich eine Ordensfrau werden kann und welche Art des Ordenslebens für mich, meine Talente und meine persönliche Berufung am besten geeignet ist. Der Kontakt und Weg der Suche gestaltet sich durch E-Mails oder Besuche, durch Gespräch oder durch Mitleben in unserer Gemeinschaft für einige Tage.

Die Kandidatur fängt an, wenn sich klärt, dass ich zum kontemplativen Leben in einer Klarianischen Gemeinschaft neige. Als eine Kandidatin des Ordens der Klarissen suche ich zusammen mit meiner Begleiterin den richtigen Ort für meine Berufung. Es gilt, auf zwei Fragen die Antworten zu finden: Wohin? und: Wann? Gott beruft in eine konkrete Gemeinschaft. Und auch wenn wir Klarissen sehr ähnlich leben, hat jede Gemeinschaft eine ganz persönliche Note, ein individuelles Profil.

Das Postulat fängt meist mit dem Eintritt in die Gemeinschaft an, aber manchmal ist es gut, auch nach dem Eintritt die Kandidatur fort zu setzen. Die Kandidatur kann zeitlich unbeschränkt sein, während das Postulat höchstens 1,5 Jahre dauert. Mit dem Postulat beginnt die eigentliche Probezeit (Formation). Ich lebe bereits als Postulantin das Leben einer Klarisse, doch bin ich ungebunden und frei, die Gemeinschaft zu jeder Zeit verlassen zu können. Im Postulat liegt der Schwerpunkt auf der Anpassung an den Tagesablauf, an den Alltag der Klarissen, an das viele Beten. Ich erprobe mich, ob ich grundsätzlich so leben kann, ob meine physischen wie psychischen Kräfte für diese Lebensform ausreichen. Auch die Gemeinschaft spielt in der Probezeit eine wichtige Rolle: Sie schaut mit mir gemeinsam, ob der Weg für mich stimmt. Sie begleitet meinen Weg wachsam.

Das Noviziat fängt mit der Einkleidung an - ich bekomme das Ordenskleid und einen Ordensnamen. Diese äußere Veränderung ist eine Vorbereitung für das, was im Inneren geschehen soll: Das Einwachsen meines Herzens in die Berufung einer Klarisse. Der Blick wendet sich im Noviziat nach Innen. Ich prüfe mich, ob ich ein geistliches Leben führen kann, ob ich in die Tiefe des Gebetes und der Gottesbeziehung eintauchen kann und ob ich menschliche Voraussetzungen habe, um in einer kleinen Lebensgemeinschaft gut leben zu können. Wichtig ist nicht, ob ich schon all das gut meistere, sondern ob ich darin wachsen kann und lernfähig bin, ob meine Liebe zu Gott und zu den Menschen wächst. So klärt sich auch, ob dies tatsächlich meine Berufung ist und ich diesen Weg nicht nur aus meinen Ressourcen her gehen kann, sondern ob es mein Auftrag ist, ob ich es also auch soll.
All das braucht Zeit, deshalb dauert das Noviziat 2-4 Jahre. Während des Noviziats bin ich auch frei, die Ausbildung zu jeder Zeit zu beenden und einen anderen Lebensweg zu wählen.

Das Juniorat ist eine Zeit, in der ich lerne, mich "frei zu schwimmen". Die intensive Begleitung tritt weitgehend zurück, ich sage bei der Ablegung der Gelübde für drei Jahre mein erstes ernstes "Ja". Im Juniorat bin ich schon eine Klarisse, als solche stehe ich für mich und für meine Gemeinschaft. Meistens übernehme ich in dieser Zeit auch schon verantwortungsvolle Aufgaben für die Gemeinschaft, je nach Begabung oder Eignung. Im Juniorat stelle ich mir die Frage, ob ich diese Berufung auch wirklich leben will. Ob dies wirklich meine tiefste Sehnsucht ist und nicht nur etwas, was mich begeisterte, aber keine tiefe Wurzel schlug. Der Wille muss ganz frei sein, weil ich mich nur in der Freiheit an etwas binden kann.

Mit der Ewigen Profess binde ich mich an den Orden und die konkrete Gemeinschaft. Ich bin eine Professschwester. Die Bindung schenkt mir den Freiraum, in dem ich das leben kann, was mir ganz und gar entspricht. Ich darf Klarisse sein und somit zu all denen gehören, die diesen Weg vor mir gegangen sind und nach mir gehen werden. Die Hl. Klara hat in ihren Schriften stets über die Grenzen der Zeitalter hinaus gedacht. So gehöre ich zu einer großen Familie, bin ein Teil von einem wunderbaren Werk, das Gott zu allen Zeiten geführt, begleitet und gesegnet hat. Der Blick über die momentane Situation hinaus stärkt mich und lehrt mich, groß, treu und tapfer zu sein. Und es sind vor allem auch die Lebenserfahrungen meiner älteren Mitschwestern, die mich auf die Führung und Fügung Gottes vertrauen lassen.

"Wenn Jesus etwas angefangen hat, dann wird er es auch weiter führen. Gehe einfach weiter. Wir müssen weiter strampeln." Sr. Fidelis