Novene - Heilungsweg mit Klara

I.Ohnmacht   II.Stärke   III.Erkenntnis   IV.Glaube  V.Vertrauen

VI. Weg       VII. Verwandlung       VIII. Dankbarkeit      IX. Verzeihung


I. Ohnmacht

"Was Du bist, lass los.
Schau und höre zu, was in Dir werden will.
Lass die Größe zu, die sich Dir schenken möchte.
Erst dann wirst Du werden, der Du bist."

(Nach hl. Klara)

Um jeden Menschen für sich zu gewinnen und ihm ein Freund zu sein, hat Jesus alles verlassen, was er als Gott hatte: Macht, Glück, Unsterblichkeit. Mit dem Weg von oben nach unten ermöglicht er es dem Menschen, den er in seiner Not antrifft, dorthin zurück zu gelangen, wo er vorher war. Jesus will seine Seligkeit teilen. Klara entdeckt diese Vorliebe von Jesus, sie kontempliert sie und antwortet auf Jesu Liebe mit ihrer Liebe.

Die Not ist der Ausgangspunkt, auf dem wir einen neuen Weg beginnen können. Es gibt in unserem Leben immer etwas, was uns unsere Ohnmacht zeigt. Wenn wir wachsam sind, können wir hier bereits eine Wende machen: Wir geben unsere Ohmacht zu. Wir können etwas nicht beeinflussen. Halten wir diese Ohmacht aus, sie ist ein erster Schritt. Heute einfach nur das.

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Heilige Klara, bitte für uns!

 

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"Sei eingedenk Deines Vorsatzes und blicke stets auf Deinen Anfang.
Was Du schon hältst, das halte weiter fest!" Hl. Klara

Die hl. Klara hatte von sich aus keine Chance, ihren Lebentraum zu verwirklichen. Sie war eingeschlossen in den Wohnturm des Adelshauses. Zur Heirat gezwungen zu sein, oder zur Ehre des Familienklans eine Karriere in einem reichen Kloster zu machen - das waren die realen Aussichten.

Bis heute wissen wir nicht, wie sie aus dem Elternhaus fliehen, die mit der Mauer geschützte Stadt verlassen konnte, um sich in der Portiuncula vom hl. Franziskus in den Büßerinnenstand aufnehmen zu lassen. Die Quellen sprechen über ein oder mehrere Wunder. Und vielleicht haben sie recht, vielleicht viel mehr, als wir es heute versuchen, mit möglichen rationalen Erklärungen den schlichten Glauben zu umgehen.
Klara wurde offensichtlich durch eine Kraft geholfen, die sie selber nicht aufbringen konnte.

Heute versuchen wir den zweiten Schritt auf unserem Weg zu machen: Zum Glauben zu gelangen, dass nur eine Kraft, die größer ist, als die unsere, uns in unserer Ohnmacht helfen kann.

Versuchen wir heute diesen Satz aus dem Markus-Evangelium (Mk 9,24) betend zu wiederholen:

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"

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Heilige Klara, bitte für uns.

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Stelle Dein Denken vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Abglanz der Herrlichkeit, stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit, und forme Deine ganze Person durch die Beschauung in das Bild seiner Gottheit um, damit Du empfindest, was seine Freunde empfinden, wenn sie die verborgene Süße verkosten, die Gott selbst von Anbeginn für die aufbewahrt hat, die ihn lieben. Beachte nichts von dem, was in dieser trügerischen, unruhigen Welt ihre blinden Liebhaber umgarnt.“ (3.KlBr12-16)

Klara hat wahrscheinlich ihre Gotteserfahrung vor dem Spiegel gemacht.

Ein gewöhnlicher Spiegel zeigt das Gesicht verzerrt, weil verkehrt: Die linke Seite ist „aus dem Blick des Spiegels“ die rechte und umgekehrt. Der Spiegel zeigt also nicht mein wahres Antlitz! Er ist nicht echt, nicht korrekt, er ist nicht wahrhaftig. Ein Spiegel ist ein Instrument, das etwas nur ungefähr zeigt. Was spiegelt all das, was mich umgibt? Welche Wahrheit zeigt sich mir in all dem verkehrt, was bedarf sorgfältigerer Klärung?

Wenn ich „Gott“ denke, höre oder sage, kommt mir etwas in den Sinn, was ich bis jetzt zu dem Thema erfahren habe. Daraus ziehe ich meine Schlüsse. Doch wie wahrhaftig ist mein Folgern? Bin ich Gott wirklich begegnet? Weiß ich wirklich, wie er ist und wie er zu mir steht? Klara schlägt vor, aus drei Winkeln den Spiegel „Gott“ zu betrachten: Aus der Perspektive meines Denkens, meiner Seele, meines Herzens. Der Blick des Denkens kann das Vergangene, das Jetzige und auch das Zukünftige umfassen. Das Denken ist zeitlos. Ich kann lernen, in größeren Zusammenhängen zu sehen. Die Seele ist der Ausdruck der Würde, der Ungebundenheit an alles Begrenzte und Vergängliche. In ihr steckt die wahre Freiheit. Und das Herz hat immer schon den „sechsten Sinn“ gehabt, es kann das Richtige spüren, erahnen, was dem Verstand nicht plausibel genug ist. Das Herz kann oft zwei Schritte voraus sein, ohne es erklären zu können...

Heute möchte ich über Gott nachdenken. Wie verstehe ich ihn? Vielleicht habe ich in mir verschiedene Bilder von Ihm, die mir Unbehagen verursachen. Vielleicht fühle ich mich zu sehr zu einer Form des Glaubens gedrängt. Vielleicht habe ich Ihn deshalb schon längst aufgegeben.

Heute möchte ich für mich buchstabieren, wie ich ihn verstehe, wie ich ihn erfahren habe, wie ich ihm begegnet bin oder wie ich mich nach ihm sehne.

Für heute reicht nur das: MEIN Gott. Wie ist er?

Hl. Klara, bitte für uns.

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"Geh hin in Sicherheit, denn du hast ein gutes Geleit. Geh hin, denn der dich erschaffen hat, hat Dich geheiligt. Er hat dich stets behütet wie eine Mutter ihr Kind und dich mit zärtlicher Liebe geliebt. Du, Herr, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast." (Aus der Heiligsprechung der hl. Klara)

Nach dem Verlassen des Adelshauses hat Klara keine sichere Bleibe. Gleich in der Nacht kommt sie in die nahe Benediktinerinnenabtei als Magd. Als ihre Familie sie mit Gewalt zurück nach Hause bringen will, nützt sie das Asylrecht der Abtei. Nur die Furcht vor der Exkommunikation und deren Folgen lässt den wütenden Klanführer - ihren Onkel Monaldo - mit leeren Händen abziehen. Klara bleibt dort zwei Wochen, dann findet sie wieder vorübergehende Unterkunft in einer kleinen religiösen Gemeinschaft im Waldgebiet unweit von Assisi.

Klara wagte das, was sie als richtig und stimmig erkannt hat, ohne jede Absicherung, ohne Aussicht auf Erfolg. Sie ging die Schritte im völligen Dunkel, aber im festen Glauben. Sie hatte nichts zu verlieren, weil sie an Nichts hing. Sie spürte: Ich weiß, dass ich diesen Schritt tun muss, sonst verpasse ich mein Leben. Alles andere ist ab jetzt die Sorge Gottes. Am Ende ihres Lebens wird sie voller Dankbarkeit auf seine stete liebevolle Führung und Fürsorge zurückschauen.

Heute wage ich den Schritt ins Glauben. Heute überlasse ich mich und mein Leben Gott, wie ich jetzt fähig bin, ihn zu verstehen. Meine wage Erkenntnis reicht schon für diesen Schritt. Heute gibt es kein Zufall, mein Tag ist von Gott begleitet, der mehr weiß und mehr kann, wie ich. Deshalb kann ich die Kontrolle aus der Hand lassen und vertrauensvoll alles annehmen, was ist, was kommt und was bis jetzt war. Heute lebe ich in der Zuversicht, dass alles einen guten Sinn hat und mir zum Guten gereicht.

Heilige Klara, bitte für uns.

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Ich, Klara, Christi und der Armen Schwestern des Klosters zu San Damiano unwürdige Magd, die kleine Pflanze des heiligen Vaters Franziskus, habe mit meinen Schwestern die überragende Größe unserer Berufung und die Weisung eines solchen Vaters bedacht.

Ich habe zugleich auch an die Schwäche der anderen gedacht, wie wir sie nach dem Heimgang unseres heiligen Vaters Franziskus, der unsere Säule, nach Gott unser einziger Trost und unsere Festigkeit war, auch in uns selbst fürchteten.“ (Klaras Testament 37-38)

1212 beginnt Klara ihren Weg unter der Obhut des hl. Franziskus. Schon 1226 stirbt er, Klara muss weitere 27 Jahre ohne seine Schutz und Unterstützung auskommen. Wie schwer es ihr war und wie voller Not und Sorge war sie doch, bezeugt sie ehrlich in ihrem Testament. Wie so ließ Gott zu so eine große Verlust? Wie sollte es weiter gehen?

Vorgestern habe ich versucht, mich frei zu machen von den Gottesvorstellungen, die andere von ihm haben und meine eigene Gotteserfahrung mir zu vergegenwärtigen. Gestern wagte ich den schlichten Glauben nach meinen Möglichkeiten.

Heute gehe ich ein Stück weiter: Wie die anderen sich in der Gotteserkenntnis täuschen konnten und einen Gott vermittelten, mit dem ich nicht zurecht kommen konnte, genau so ist es möglich, dass auch ich mich in meinen Vorstellungen oder Erfahrungen irre. Vielleicht schreibe ich Gott zu, was ihm nicht zusteht, oder erwarte ich von ihm etwas, was er nicht ist...

Ich wage heute einen mutigen Schritt: Von allen Vorstellungen und Erkenntnissen ab zu lassen und mich Gott zu öffnen, wie Er wirklich ist. Das nämlich, kann nur Er wissen und jeder Mensch, dem sich Gott auf irgendwelche Weise zeigte. Heute lasse ich ihn zu mir sprechen.

Dabei öffne ich den Raum auch für das Unverständliche, für das, was ich sperrig in Beziehung zu Gott finde, ich schaue auf Lebensbereiche, die mir vielleicht Angst machen oder mich ärgern. Wir wehren uns, wenn wir eine Verwundung ahnen, wir fliehen vor dem Schmerz. Gehört aber auch das nicht zur Farbskala des Lebens? Würden wir den Regenbogen ohne die dunklen Schattierungen genießen? Mit Gott brauche ich keine Angst vor Schmerz und Wut zu haben, vor den Wunden, die uns das Leben schlägt. Denn: Er weiß von ihnen und kennt sie auch.

Heute wage ich es, die schwierigere Gefühle zu zu lassen, sie erleben, ihnen Raum zu lassen. Ich bin in diesem Raum nicht allein, mein Gott ist da und steht mir bei.

Heilige Klara, bitte für uns.

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Der Sohn Gottes ist uns Weg geworden; diesen Weg hat unser seliger Vater Franziskus, der Christus wahrhaft liebte und ihm nachfolgte, durch sein Wort und Beispiel uns gewiesen und gelerhrt. (Klaras Testament 5)

Jesus war eigentlich die größte Enttäuschung. Auch für die, die zunächst von ihm begeistert waren. Es fing alles so gut an: Ermutigende Worte, Wunder, Heilungen von Krankheiten, die passende Antworten dem damaligen „Klerus“, die ihm klar die Schränken wiesen. Doch schauen wir genauer hin – nicht aus unserer Perspektive, sondern aus der Perspektive Jesu selbst: Geboren als ein Obdachloser, verfolgt als Baby, immer existenziell bedroht. Flüchtling; nach der Rückkehr mittellos. Schlichter Handwerker. Und als er zum ersten Mal den Mund auftat, wollten ihn seine Nachbarn aus dem Berg stürzen. Gehasst von Machthabern, gleichgültig den römischen Besatzern. Schließlich nur eine Nummer auf dem Hinrichtungsplan, verlassen sterbend – von Menschen und von Gott.

Klara und Franziskus waren von Jesus begeistert, doch wer genauer auf ihr Leben schaut, sieht auch die tiefen Wunden der Ablehnung, der Krankheit, des Missverstandenwerdens. Sie sind aber leidensfähig geworden. Wie schafften sie es?

„Jesus ist uns Weg geworden“ - schreibt Klara am Anfang ihres Testamentes. Jesus – ein Name, der in vielen Herzen Widerstand auslöst. Weshalb eigentlich? Wage ich es heute, mich mit ihm zu treffen, mit ihm zu reden, ihn in meine Nähe zu zu lassen?

Heute kann ich mein Leben in einer anderen Perspektive sehen: Aus der Perspektive Jesu. Ich gehe mein Leben durch – lasse die Erinnerungen heraustreten, die kommen – und stelle sie vor den Spiegel des Lebens Jesu: Sehe ich sie darin? Hat er auch das gleiche, oder etwas ähnliches erlebt? Ich schaue genau, lasse mir dafür zeit und Ruhe. Wenn Gefühle kommen, lasse ich sie kommen und spiegele auch sie in den Gefühlen Jesu. Habe ich schon mal im Neuen Testament die Gefühle Jesu entdeckt? Was fühlte er alles? Ist es mir nicht auch sehr bekannt? Mensch wie wir, Gott wie wir ihn uns nur wünschen können. Der Einzige, der nicht im Leiden blieb, sondern hindurch gegangen ist – deshalb der WEG.

Heilige Klara, bitte für uns.

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„Wenn du mit ihm leidest, wirst du mit ihm herrschen, wenn du mit ihm trauerst, wirst du dich mit ihm freuen, wenn du mit ihm am Kreuze der Bedrängnis stirbst, wirst du mit ihm im Glanz der Heiligen die Himmlischen Wohnungen besitzen, und dein Name wird im Buch des Lebens aufgezeichnet werden, und er wird ruhmreich sein unter den Menschen.“ (Klara im 2. Brief an Agnes von Prag)

Wir sind nicht auf der Welt, damit es uns so gut geht, wie wir es uns vorstellen. Die Welt ist zu sehr verletztlich und verletztend. Wir sind hier, um weise zu werden. Um aus all dem, was uns zustößt und uns begegnete, zu lernen. Vergessen wir nicht, dass wir woanders unser Zuhause haben. Unser Leben ist eine gewagte Pilgerschaftt voller unerwarteten Wendungen.
Das, was ich nicht ändern kann, kann ich annehmen – aus den Steinen im Weg Edelsteine zu schleifen. Nichts kann mir schaden, denn ich bin in Hand meines Gottes. Und soll ich meine letzte Wegstrecke antreten – sie kommt ganz sicher! - ist es ein Zurückkommen in meine Heimat.

Bildbetrachtung zum Bild in der Kapelle der hl. Margareta Maria Alacoque

Was ist wichtig?
- Nur eines ist wichtig – Maria hat den besseren Teil gewählt.
So bleibe auch du bei mir, bei meinen Füßen und höre zu.
Sorge dich um nichts mehr. Das ist meine Sorge.
Schaue, siehst du den Mantel um meinen gekreuzigten Leib;
Ich bin dein Hirte auch auf dem Kreuz. Mein Mantel schützt dich.
Meine Füße stehen fest auf dem Boden,
mein Körper steigt aus dem Bild heraus zu dir, in deine Wirklichkeit.
Ich bin da!
Schaue auf mein Herz, dessen Wunde strahlt.
Es ist ein Durchgang in den Himmel.
Schau  - das ganze Bild ist der Tunnel, der zum Licht führt.
Und ich bin die Tür.
Ich stehe da immer so, wie du bist, in jeder Situation stehe ich da, die Tür.
Jetzt siehst du mich gekreuzigt, verwundet, mausetot und verklärt -
alles in allem, weil auch du all das geworden bist.
Ich bin dein Spiegel. Denke daran!
Wo immer du bist, WIE immer du bist – ich bin dein Spiegel!
Und einmal, wenn deine Kerze zu Ende brennt, kommst du hierher, kommst in mein Licht.  

Das ist der Weg, der mein Kreuz dir zeigt.


Heilige Klara, bitte für uns.

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„Ich sage Dank dem Spender der Gnade, von dem... jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk fließt“. (Klara im 2. Brief an Agnes von Prag)

Wir meinen zu wissen, was gut ist und wofür wir danken können: Für das, was uns Freude macht und uns gut tut. Doch in den letzten Tagen lernten wir auch das in unser Leben zu integrieren, was schwer ist, was uns zu schaffen macht. Dankbarkeit ist das Mittel, durch das wir die Steine auf unserem Weg in Edelsteine schleifen können, ja sogar durch die wir schon im voraus die Wandlung des Unschönen in das Kostbare vollziehen können. Wenn ich mich in Gottes Hand weiß, dann bin ich gewiss, dass mir nichts schaden kann und dass jeder Schaden für etwas größeres, für etwas Gutes sein kann. So kann ich stets dankbar sein.
Die hl. Klara lernte diesen Schritt durch viele Schwierigkeiten in ihrem Leben und vor allem durch ihre immer wiederkehrende schwere Krankheit, die sie ans Bett fesselte.

„Durch die Krankheit wird häufig die Tugend vollendet: so ist die Krankheit freudvoll, so wird die Krankheit zur Wonne, so das Leiden sanft, so erträgt ein heiterer Mensch alle Übel, so dass kein Klagen oder Murren widerhallt. Nicht nur tapfer, sogar dankbar: so nimmt Klara alle Krankheiten gleich Freuden auf sich; in ihnen sucht sie großen Lohn“. (Die Verslegende der hl. Klara)

Heute möchte ich für alles Danke sagen, was mir begegnet. Ich werde danken für das, was mir wohl tut, ebenso für alles, was mich kränkt. Und ich erfahre schon in den kleinsten Sachen, in den oft verzwickten alltäglichen Reaktionsmustern, den heillos verfahrenen Situationen einen schlichten, doch entscheidenden Wandel. Heute mache ich die Erfahrung der Kraft der Dankbarkeit.
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Heilige Klara, bitte für uns.

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Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Not. Selig, die ausharren in Frieden, denn du, Höchster, wirst sie einst krönen." (Aus dem Sonnengesang des hl. Franziskus)

Verzeihen und entschuldigen sind zwei verschiedene Sachen. Wenn bei einem Unfall oder Konflikt jemand verletzt wird, ist es die Regel, dass man sich zunächst um den Verletzten kümmert. Der Schuldige wird erst später vor Gericht gestellt und verurteilt oder freigesprochen.
Wenn das entschuldigen als erstes eingesetzt wird, ist es ein Versuch, die Lage zu verschönern, nicht so ernst zu nehmen und so den Schmerz des Geschehenes zu umgehen. Dies führt dazu, dass sich die Seelenwunden zwar schnell schließen, aber im Inneren eitern sie, da sich dort viele krankmachende Gefühle wie Wut, Groll, Neid, Enttäuschung, Trauer, Verzweiflung... verbergen.

Dagegen ist die Verzeihung ein Werkzeug zur seligmachenden Freiheit. Wir begegnen ihr nun ganz am Schluss der Novene, weil wir erst an diesem Punkt des Weges zu verzeihen fähig sind.

Klara blickt vor ihrem Tod auf ihr Leben, doch sie kann noch nicht sterben, solange sie die Geschichte Ihrer Berufung nicht zu Ende schreiben kann: Sie wartet auf die päpstliche Bestätigung der von ihr geschriebenen Regel für ihre Gemeinschaft. Schwere Kämpfe hatte sie dabei zu bestehen. Immer wieder versuchte die römische Kurie sie dazu zu zwingen, von ihrem Weg der schlichten Nachfolge Christi abzulassen und sich durch Besitz abzusichern. Diese hart erkämpfte Bestätigung kommt gerade drei Tage vor ihrem Tod. Klara war also bis zuletzt in der Spannung, die sie oft genug an der Kirche und ihren Vertretern verzweifeln lassen konnte. Sie hatte sicher oft die Wahl zwischen Abkehr und treuem Ausharren im Vertrauen in die Macht Gottes, die stärker ist, als ihre...

Nicht verzeihen können ist möglicherweise das einzige Hindernis, das uns den Weg in unsere ewige Heimat versperren kann. Ich bitte meinen Gott darum, mir die Fähigkeit dazu zu schenken, denn oft reicht da meine Kraft nicht aus...

Ich möchte heute mutig und klar die Sachen benennen, die in meinem Leben nicht richtig waren oder sind. Sowohl die, die mir durch andere Menschen oder Institutionen angetan wurden, oder die ich mir selber zugefügt habe. Heute möchte ich die Gefühle zulassen, die diese Erinnerungen aus meinem Inneren heraus holen.
Und dann habe ich die Wahl: Ich habe Recht
auf eine Wiedergutmachung, ich könnte mich sogar für die Rache als Genugtuung entscheiden. Doch Gott sagt dazu: „Mein ist die Rache.“ (Röm 12,19) Was besagt das? Ich muss es nicht tun! Ich kann davon lassen. In meiner Freiheit übernehme ich nicht die Verantwortung dafür, was mit denen passiert, die mir Böses getan haben. Für sie sorgt Gott (auch wenn ich weiß, dass er auch für sie ein guter Gott ist). Es entlastet enorm!
Dann kann ich mich auf die andere Wahlmöglichkeit konzentrieren: Ja, ich bin verwundet, das passiert in dieser Welt. Ja, irgendwann sterbe ich sogar... Ich nehme den Schmerz an, ich konnte mich ihm nicht entziehen. Ich benenne mutig all das, was ich einstecken musste.
Da ich weiß, dass es mir zum Guten werden kann, kann ich im inneren Gespräch denen verzeihen, durch sie mir Leid geschah.

Erst jetzt kann ich auch sie in einem anderen Licht sehen und Einsichten in ihre Situation gewinnen, die ihr Handeln vielleicht auch entschuldigen. Die Versöhnung ist jetzt möglich, die Wunden verwandeln sich in Edelsteine.

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn und dankt und dient ihm mit großer Demut.“

(Aus dem Sonnengesang des hl. Franziskus – diese Strofe dichtete er, als er schwer krank im Garten des Klosters San Damiano, wo Klara und ihre Schwestern lebten, in einer Strohhütte etwas Ruhe und Erholung suchte)

Heilige Klara, bitte für uns.

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Aus dem Segen der hl. Klara

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Herr segne dich und behüte dich,
Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner,
Er wende dir sein Antlitz zu und gebe dir den Frieden.

Ich, Klara, Magd Christi und kleine Pflanze unseres seligsten Vaters, des heiligen
Franziskus, bitte unseren Herrn Jesus Christus bei seiner Barmherzigkeit
und auf die Fürsprache seiner heiligsten Mutter Maria,
des heiligen Erzengels Michael und aller heiligen Engel Gottes,
unseres heiligen Vaters Franziskus und aller heiligen Männer und Frauen:
Der himmlische Vater segne dich
und verleihe diesem seinem heiligsten Segen Kraft im Himmel und auf Erden.
Auf Erden schenke er dir Wachstum in der Gnade und seinen Tugenden
inmitten seiner Knechte und Mägde in seiner streitenden Kirche;
im Himmel erhöhe und verherrliche er dir in der triumphierenden Kirche
inmitten seiner heiligen Männer und Frauen.
Ich segne dich in meinem Leben und nach meinem Tod,
so sehr ich es vermag und mehr als ich es vermag,
mit allen Segnungen, mit denen der Vater der Erbarmungen seine Söhne und Töchter
gesegnet hat und segnen wird im Himmel und auf Erden
und mit denen je ein geistlicher Vater oder eine geistliche Mutter
ihre geistlichen Söhne und Töchter gesegnet haben und segnen werden.
Amen.


Bild aus der Kapelle der hl. Margareta Maria Alacoque - zum 7. Tag der Novene