Klischees

Es erstaunt immer wieder, wie die Filmemacher schwer mit Klara zurecht kommen. Sie stellen sie als ein zartes Mädchen dar, das zerbrechlich wirkt und liebevoll Anteil nimmt an allem um sie herum. Sie wirkt wie eine Schattenfigur hinter dem großen Vorbild des Bruders Franziskus. Sie profilieren Klara von einer frommen und ihm tief ergebenen Nonne, bis zu "einem der Brüder". Sie lassen sie mit den Brüdern umherlaufen, ähnlich wie in den damals sehr verbreiteten Lebensgemeinschaften der Büßerinnen und Büßer, bekannt unter dem Sammelbegriff Armutsbewegungen. Dabei missachten sie grundsätzlich ihre wahre Lebensweise, die in einem klausurierten kleinen Klösterchen in Stille und Verborgenheit stattfindet.  Diese Lebensform ist aber keineswegs unsichtbar, denn mit ihrem bewusst  gewählten Blick auf die Stadt ist Klara allem Geschehen sehr nahe, sie öffnet die Türe für jede Not des Menschen, wie es der Heiligsprechungsprozess bezeugt.
Was ist nun mit Klara?
Auch ihr erster Biograph Thomas von Celano hat Klara in eine Form hineingezwungen, die, wie damals üblich, zum Bild einer Heiligen passt: Klara sei ein außergewöhnlich frommes Mädchen, schon im Kindesalter weltverachtend, Werke der Buße und der Wohltätigkeit ausübend, ein "ganz reines Gefäß der Gnade".

Was können wir heute von ihr heute erzählen? Ohne Überformung und ohne Verzweckung? Welches Bild können wir aus all dem herausfiltern, was uns über sie bekannt ist?

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Kindheit und Jugend

(Quellen der untenliegenden Texten: T. Maier, Stud. theol.: Forma Vitae - die hl. Klara von Assisi und ihre Ordensregel, 2004; M. Kreidler-Kos, N. Kuster OFMCap, Sr. A. Röttger OSC "Den armen Christus arm umarmen / Wissenschaft und Weisheit, Band 66/1 2003; Ch.A. Lainati: Die heilige Klara von Assisi 1987; Thomas von Celano: Biographie um 1256; I.W. Frank: Franz von Assisi, Frage auf eine Antwort 1992)

Klara wächst als die älteste  Tochter der adeligen Familie Favarone di Offreduccio auf. Ihr Vater kommt aber in den Schriften der hl. Klara nur abwesend vor - außer seinem Namen erfahren wir nichts von ihm.

Dagegen spielt die Mutter eine große Rolle in ihrem Leben. Hortulana (d.h. Gärtnerin) ist eine übermäßig mutige Frau, die die gefährlichen Pilgerfahrten zu verschiedenen Wallfahrtsorten in Italien, nach Santiago de Compostela  oder sogar ins heilige Land wagt. Wenn schon der Weg beschwerlich war, umso gefährlicher war er vorbei an den Räuberbanden, die die Wege bewachten. Sicherlich sind die Erzählungen über diese Reisen prägend für die kleine und junge Klara und für die Frauen, die mit ihr lebten ... Außerdem pflegt Hortulana eine große Verehrung zum Gekreuzigten, was zur Zeit der Romanik eher unüblich ist. Beide Aspekte finden sich häufig in den Schriften der hl. Klara: Sie spricht oft vom Weg und sie hat eine sehr tiefe Christusliebe - bedenken wir, dass das Bild des Gekreuzigten sie ihr ganzes Leben in dem heute weltberühmten Kreuz von San Damiano begleitet hat.


Als adelige Tochter wohnt Klara in einem sogenannten Wohnturm - eher von der Außenwelt abgeschlossen, unter den Frauen des Familienklans. Sie selber misst dieser Lebenszeit in ihren Schriften keinen Wert zu, es ist jedoch bemerkenswert, dass viele dieser Frauen (ihre beiden Schwestern, ihre Mutter, ihre zwei Nichten und eine Nachbarin und entfernte Verwandte) später ihrem Beispiel folgen und mit ihr im Kloster San Damiano leben, was über die Atmosphäre in diesen Wohnturm sehr nachdenken lässt. Es stellt sich hier aber auch eine interessante Frage: Was hat sich denn für Klara in ihrer Lebensweise nach ihrem Aufbruch geändert?
Die höfisch-ritterliche Kultur gibt vieles vor: Das verborgene Leben in den Frauengemächern eines ritterlichen Haushaltes soll das Mädchen auf die Aufgabe einer Ehefrau vorbereiten. Dazu lernt sie aber auch Latein lesen und schreiben, ein Privileg der adeligen Mädchen dieser Zeit. Sie ist auf jeden Fall sehr versiert in der Hl. Schrift und der Feier der Liturgie.

Sie ist auch wohltätig, sie lässt heimlich ihre Speisen den Armen bringen, wie es mehrfach im Heiligsprechungsprozess bezeugt wird.  Die Erzählungen von ritterlichen Heldentaten im Krieg wie in der Liebe müssen Klaras Horizont bedeutend erweitert haben. Bedenken wir auch, dass sie den Krieg zwischen den Minores (Bürgerstand) und den Maiores (Adeligen) erleben muss, der die ganze Familie ins Exil nach Peruggia treibt. So erfährt Klara auch in den schützenden Mauern des Wohnturmes keineswegs Sicherheit und ist mit schweren politischen Veränderungen konfrontiert, die ihr auch die gebrechliche Seite eines hohen Standes deutlich zeigen. Der vorgegebene Lebensweg einer adeligen Frau erscheint so sehr brüchig...

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Kirche San Rufino. Franziskus und Klara empfingen dort die Taufe.

Der Bischofssitz in San Rufino

Seitenausgang aus der Kirche - und der Blick auf den Weg, den Klara nachts gegangen ist...

Der letzte Blick, den Klara unterwegs aus der Stadt in das Stadtinnere werfen konnte

Das Stadttor. Wahrscheinlich gab es neben diesem Tor ein kleineres, von dem Bischof die Schlüssel hatte. So konnte Klara die Stadt nachts verlassen.

Basilika Santa Maria degli Angeli bietet heute dem kleinem Kirchlein Portiuncula "Zuflucht".

Klaras Odysee geht weiter über schöne Landschaft nach Sao Paolo

Auch ein Bach musste überquert werden

Sao Paolo delle Abadesse - Benediktinerinnenabtei, wo Klara ihre erste kurze Bleibe findet

Sao Paolo - Kirche von hinten.

Das innere der Kirche sieht fast so aus, wie zu Lebzeiten der hl. Klara

Der ursprüngliche Altarstein, den Klara berührt hatte

Sao Paolo ist heute als Friedhof genutzt. Nur die Kirche ist ursprünglich.

San Angelo di Panzo - Eingangstafel mit Beschreibung der Berühmheit des Ortes

Detail: Klaras erste Gemeinschaft und der erste Wunder beim Familienstreit um Klaras Schwester Katharina

Eingang

Türmchen

Kircheninnere

Kirchengebäude


Klara und Franziskus - Unbekannte

Zwischen Klara und Franziskus liegt ein Altersunterschied von 11 oder 12. Jahren.

Was sie weiter in ihrer Kindheit und Jugend voneinander trennt, ist die soziale Zugehörigkeit.

Franziskus wächst in der Unterstadt auf und gehört als Sohn einer Kaufmannsfamilie zu der Schicht der „minores“. Als sich die Bürger 1198 gegen den Adel auflehnen, gehört Klara der angegriffenen Schicht der „maiores“ an.

Während Franziskus die Stadt auf seine freizügige Weise erobert, lebt Klara in den dicken Mauern eines aristokratischen Wohnturmes. Sie konnten voneinander kaum wissen.

Als der Krieg 1202 sie beide nach Perugia treibt, ist Franziskus im Kerker gefangen genommen, Klara wechselt nur die dicken Mauern.

Nach der Beruhigung der Situation kehren beide zurück nach Assisi und beginnen ihre persönliche religiöse Klärung.

Nach dem schweren Jahr im Kerker besucht Franziskus nun die Bettler und sucht nach dem tieferen Sinn des Lebens. Er ist von der Armut des gekreuzigten Jesus Christus und der Aussätzigen erschüttert.

Klara beginnt unter ihren Kleidern raue Hemden zu tragen und schickt heimlich Almosen an die Armen.

Es ist den damaligen Armutsbewegungen zu verdanken, dass die Wege von Klara und Franziskus viele Gemeinsamkeiten aufwiesen und sich letztlich trafen und ergänzten.

Es liegt nahe, dass Klara erst bei der öffentlichen Enterbung von Franziskus vor dem Bischofspalais auf ihn aufmerksam wurde.

Dass der reiche Kaufmannssohn nackt die Stadt verlässt, um arm Christus nachzufolgen muss wohl in ganz Assisi bekannt geworden sein. Es scheint, dass Klara seitdem den Kontakt mit Franziskus sucht und ihre Almosen nun auch gezielt den Arbeitern an der Portiuncula schickt.

Klara erreicht 1210 das Heiratsalter. Um diese Zeit tritt ihr Cousin Rufino der „fraternitas“ des Franziskus bei. Klara ist nun sicher, dass sie sich den familiären Heiratsplänen verweigern wird. Sie plant bereits ihren Ausstieg aus der adeligen Welt und sucht nun intensiv Kontakt unter den Aussteigern bei der Portiuncula.

 

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Assisi - Ortsschild

Besondere Auszeichnung für die Stadt Assisi

Panoramablick aus der Burg Rocca

Kirche San Rufino

Detail auf der Fassade

Das Taufbecken, wo Franziskus und Klara getauft wurden

Ein Gäschen in der Stadt

Blick auf die Rocca

Gäschen

Der Minerva-Tempel steht im Zentrum des damaligen Geschehens. Schon zu Lebzeiten von Franziskus war es eine katholische Kirche

Zwei Bilder aus der Oberstadt - Ursprungswelt der hl. Klara - sauber, still, korrekt, in sich geschlossen

Ein Teil eines Wohnturms - wegen der vielen Erdbeben nur noch ein Viertel so hoch, wie urprünglich.


Der Aufbruch

Erst in diesem Zeitraum von ca. 2 Jahren finden einige heimliche Treffen zwischen Klara (mit der Begleitung von Bona) und Franziskus statt. Der Aufbruch wird vorbereitet. In dieser Zeit verkauft sie ihr Erbe und sorgt dafür, dass es keiner der Angehörigen bekommt, „damit die Armen nicht betrogen würden“. (Prozess der Heiligsprechung, 13,11)

Als Zeichen, dass Klara nun ihren Aufbruch wagen darf, kann das ungewöhnliche Geschehen in der Liturgie am Palmsonntag 1212 gelten: Während sich die anderen jungen Frauen den Palmzweig vorne vom Bischof holen, bleibt Klara stehen. Der Bischof selbst bringt Klara den Palmzweig. Dies deutet auf seine Zustimmung hin – und so der Kirche. Noch in der Nacht verlässt sie ihr Elternhaus – heimlich und allein. Franziskus und die Brüder erwarten sie schon im Tal beim Kirchlein Portiuncula mit brennenden Fackeln.

In einem einfachen Zeremonie werden ihr die Haare abgeschnitten und sie zieht ein Bußkleid an.

Da sie noch keine Bleibe hat und wahrscheinlich auch wegen der bevorstehenden Auseinandersetzung mit der Familie, kommt Klara zuerst bei den Benediktinerinnen in Sao Paulo als Magd unter. Das Asylrecht dieser Abtei wird Klara zum großen Nutzen, als die Familie sie mit Gewalt zurück nach Hause bringen will.

Nur die Furcht vor der Exkommunikation und deren Folgen lässt den wütenden Klanführer - ihren Onkel Monaldo - mit leeren Händen abziehen.

Klara bleibt dort zwei Wochen. Als adelige Ordensfrau mit reicher Mitgift in einer angesehenen Benediktinerinnenabtei – das hätte die Familie wohl noch geduldet – aber nicht die Freiheit, mit dem Stand zu brechen.

Ähnlich dramatisch - oder noch dramatischer erlebt 16 Tage später Klaras jüngste Schwester Katharina ihre Entscheidung. Beide sind nun in der Gemeinschaft der Büßerinnen in Sant´Angelo die Panzo – der letzten Station vor der Gründung der eigenen Gemeinschaft in San Damiano – mit Blick auf die Stadt Assisi.

 

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  • 1181/1182: Geburt des Hl. Franziskus von Assisi
  • 1193/94: Geburt der Hl. Klara von Assisi
  • 1206: Bekehrung des Hl. Franziskus. Er restaurierte die kleine Kirche San Damiano und prophezeit: In Zukunft werden hier Schwestern durch ihr Leben Gott verherrlichen
  • 1210-1211: Klara begegnet Franziskus.
  • 1212 flieht sie aus dem Elternhaus. Mit Franziskus sucht sie nach der weiteren Ausrichtung ihres Lebensweges. In San Damiano findet sie den Ort, wo Gott sie in ihrer Berufung verankert.
  • Franziskus gibt ihnen eine einfache Lebensform, die "forma vivendi" Die Schwestern wollen Christus nachfolgen, der für uns arm geworden ist.
  • 1215: Es gibt eine Flut von religiösen Armutsbewegungen.
  • 1215 verbietet das IV. Lateran-Konzil neue Ordensregeln. Klara muss unter vier Regeln wählen und entscheidet sich für die Benediktsregel.
  • 1216 erbittet sie sich vom Papst Innozenz III. das "Armuts-Privileg", d.h. sie möchte persönlich und in Gemeinschaft ohne etwas Eigenes leben.
  • 1219 Von San Damiano aus werden weitere Klöster gegründet. Kardinal Hugolin führt neue Konstitutionen zur Regel ein.
  • Klara ist damit nicht zufrieden.
  • Sie folgt ihrer franziskanischen Berufung nach der "forma vivendi".
  • 1224 empfängt Franziskus auf dem La Verna die Wundmale.
  • 1224/25 wird Klara schwerkrank und zeitweilig bettlägerig.
  • 1225 verfasst Franziskus den Sonnengesang. Später schreibt er das "Mahnlied" als Vermächtnis für seine Schwestern.
  • 1226: Tod des Hl. Franziskus
  • 1228 drängt Papst Gregor IX. Klara, Besitz anzunehmen. Klara antwortet: "Heiliger Vater, auf gar keine Weise will ich in Ewigkeit von der Nachfolge Christi befreit werden ..."
  • Daraufhin bestätigt ihr der Papst das Armuts-Privileg.
  • Um 1230 untersagt der Papst den Brüdern die Seelsorge an den Frauen-klöstern
  • Klara antwortet: “Er soll uns übrigens alle Brüder wegnehmen, nachdem er uns die Spender des Lebensbrotes weggenommen hat!” und schickt konsequent die Brüder, die Almosen sammeln, fort.
  • Der Papst nimmt das Verbot zurück!
  • Um 1234 beginnt der Briefwechsel Klaras mit der Königstochter Agnes von Böhmen. Schließlich tritt Agnes in das von ihr gestiftete Kloster in Prag ein.
  • 1235 entsendet Klara die ersten Schwestern in den deutschsprachigen Raum.
  • 1240: Überfall der Sarazenen auf San Damiano.
  • 1241: Befreiung der Stadt Assisi durch Klaras Gebet.
  • 1247 erlässt Papst Innozenz eine neue Regel.
  • Jetzt beginnt Klara selbst mit der Verfassung einer eigenen Regel.
  • 1253 09.08. bestätigt Papst Innozenz IV. die Regel Klaras; Es ist die erste approbierte Ordensregel, die eine Frau geschrieben hat.
  • 1253 10.08. bringt ein Franziskaner der todkranken Klara die Bestätigung ihrer Regel.
  • 1253 11.08. Tod der Hl. Klara
  • 1255: Heiligsprechung Klaras durch Papst Alexander IV.
  • 1257: Zur Ehre der hl. Klara wird in Assisi die Basilika Santa Chiara errichtet.
  • 1260: Klaras Leichnam wird in die neue Basilika übertragen. Auch die Schwestern ziehen über in das neue Kloster Proto-monastero um, welches an die Basilika angebautist.