Am Anfang des 15. Jahrhunderts erschüttert eine innere Krise die Kirche. Seit 1378 stehen zwei Päpste an der Spitze der Kirche, ein Einigungsversuch auf dem Konzil in Pisa endet mit einem noch größeren Schisma: Es kommt noch ein Papst ins Spiel. Das Konzil in Konstanz (1414-1417) wählte alle drei ab und setzt den Martin den V. zum amtierenden Papst. Die unzufriedenen Kardinäle wählen wiederum einen Gegenpapst. Diese Krise dauert 70 Jahre lang. Der Streit um die ursprüngliche Vorstellung der Lebensweise des hl. Franziskus begleitet die franziskanische Geschichte von Anfang an. Das Hauptthema dieses Streites ist die Armut und ihre Realisierung.

In Italien mobilisieren sich Ende des 14. Jahrhunderts die Reformkräfte in der sog. „Observanz“. Ihr Interesse ist die Rückkehr zur ersten franziskanischen Strenge: Verzicht auf alles Privat- und Gemeineigentum und feste Einkünfte. Die Reformbewegung verbreitet sich aus Italien nach Spanien und Frankreich. Der engagierteste Vertreter der Observanten ist der hl. Jonannes von Capestrano (1386-1456).

Auch die Auswirkungen des „schwarzen Todes“, der Cholera-Epidemie in Europa in den Jahren 1348-1349 begünstigte die Reform. Die plötzliche Katastrophe brachte den Verlust an Orientierung. Stark geschwächte Klöster und Ordensgemeinschaften blieben ohnmächtig auf sich allein gestellt.

Auch das Papstschisma des Jahres 1378 spaltete die Klöster, Ordensgemeinschaften, Provinzen und den ganzen Orden in zwei Lager: Die Anhänger des Papstes Urban VI. oder Klemens VII. All dies verursachte innerhalb des Ordens die Stärkung des Reformwillens und vereinigte die Observanten. So entstand praktisch ein Orden innerhalb des Ordens. Das Konzil in Konstanz im Jahre 1415 erlaubt den Observanten im Rahmen ihrer Ordensorganisation ihr gemeinsames Wirken. Auf der Provinzebene dürfen sie ihren eigenen Provinzvikar wählen und auf der Ordensebene einen eigenen Generalvikar. Jede Provinz muss den Observanten mindestens 2 Klöster überlassen. Im Jahre 1517 trennt schließlich der Papst Leo X. den Orden in Konventualen und Observanten.

Die Reform wird vor allem durch das Interesse des Kürfürsten wirksam: Die freigewordenen Klöster und ihr Besitz versprachen große Bereicherung.

Auch Konvenutale sind in der Regel der Reform zugeneigt, doch nicht so konsequent. Sie sind Willens, zu ihrer Ursprungsregel und den Konstitutionen (Erläuterungen zur Regel) zurückzukehren, die ihnen die Einkünfte und ihre Nutzung erlaubte.

 

Auf dem Konzil von Basel werden ernste Vorwürfe gegen die Klöster vorgetragen. In der Klausurpraxis, der Art, sich zu kleiden, der Ausstattung der Zellen, in der Art des Umgangs und der Häufigkeit und Dauer der Besuche.

Die Reform erfolgt auf vielerlei Weise: Spontan, als eine Antwort auf die Predigt der Brüder, durch die Initiative einer Persönlichkeit, durch Druck einer Autorität, durch Beispiel anderer Klöster. Nach der Trennung des franziskanischen Ordens in zwei Zweige im Jahre 1517 sind die Klöster dem einen oder dem anderen Zweig zugeordnet. Die Klöster der Urbanistinnen kehren zur Lebensweise nach der Urbanregel zurück und nehmen die Statuten der Observanten an. Viele Klöster entdecken erst jetzt die Klara-Regel und ihr außerordentliches Erbgut und erbitten sie für sich, um sie freudig anzunehmen.

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Coleta Boylet ist im Januar 1381 in Corbie geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern kommt sie in eine sehr schwierige Phase der Berufungssuche. Ihren Weg findet sie weder bei den Beginen, noch bei den Benediktinerinnen, noch bei den Klarissen-Urbanistinnen. Als Rekluse (eingemauerte Einsiedlerin) vernimmt sie von Gott die Aufgabe, die Klarissenklöster zu reformieren. Der Gegenpapst Benedikt III. unterstützt sie 1406. Coleta reformiert die Klöster nicht mit Gewalt, eher gründet sie neue oder reformiert auf den Wunsch der Schwestern. Von Assisi lässt sie sich 1410 eine Kopie der Klararegel schicken und schreibt ihre eigenen Konstitutionen dazu. Diese bleiben bis zum II. Vatikanischen Konzil in den Klöstern, die auf Coletas Reform zurückgehen, gültig. Zur Zeit ihres Todes am 6.3. 1447 gibt es 15 Klöster, die Coleta gegründet oder reformiert hat. Viele Adelige unterstützen sie in ihrem Werk, wobei ihre Klöster von ihnen unabhängig bleiben – also eine andere Basis, als es der Fall ist bei den Urbanistinnen im 14. Jhdt.

Die Reform Coletas gewinnt ihre Befürworter in hohen Kreisen. Nach ihrem Beispiel sollen auch Klöster in Italien reformiert werden, so der Wunsch des Papstes Eugens IV. im Jahre1431. Die Klausur soll wieder geschlossen, unwürdige Äbtissinnen abgesetzt werden. Es soll auch nach Bedarf ein Austausch von Schwestern stattfinden. Der Besitz soll unter den Klöstern geteilt werden, das Gebetsleben erneuert. Viele Klöster sind in dieser Zeit aufgehoben worden.

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In Italien führen verschiedene Gründe zur Reform: Die Observanz ist vor allem durch Bernardino von Siena (1380-1444) und seinen Helfer, den hl. Johannes Capestrano (1386-1456) vertreten. Johannes Capestrano schrieb auch Kommentare zur Regel der hl. Klara.

In dieser Zeit entsteht der Regulierte III. Orden des hl. Franziskus. Viele junge Frauen sehnen sich danach, das Charisma des hl. Franziskus zu leben, sind aber enttäuscht von der Dekadenz in den Klarissenklöstern. So bilden sich Gruppierungen innerhalb des III. Ordens des hl. Franziskus (Terziarinnen), die später die Klararegel annehmen. Nicht alle reformierten Orden leben nach der gleichen Regel. Bei vielen bedeutet die Reform zu ihrer Ursprungsregel zurückzukehren.

Erwägungswert ist im 15. Jahrhundert auch die Ausbildung der Schwestern. Die Klöster besitzen ihre eigene Bibliothek, sie leisten Übersetzungsarbeit und arbeiten in den Skriptorien. Nach der Erfindung des Buchdrucks verbreiten sich die Biographien der Kirchenväter, der Heiligen. Kopiert werden auch die franziskanischen Schriften. Im Kloster Montelucce in Perugia übersetzt Schwester Battista Alfani den Heiligsprechungsprozess der hl. Klara. Auch Klaras Regel wird verbreitet, dazu kommen auch noch viele eigene Werke – poetische und künstlerische. Die Schwestern versuchen, sich im Gebet mit Christus zu vereinen. Die reformierten Klöster beginnen sich zu verbinden, es entsteht gegenseitige Kommunikation, Hilfe und Unterstützung.

In Frankreich entsteht eine Gruppe „Ave Maria“, deren Mitglieder kontemplativ leben möchten. Sie nehmen die Regel Klaras an mit den Konstitutionen von der hl. Coleta. Die Gründung steht unter den Observanten.

In Spanien wirken zwei Reformgruppen aus den Gemeinschaften der Terziarinnen: Diskalteatinnen (1485) mit der Klararegel und Gemeinschaft von der hl. Maria von Jerusalem (1494)

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In den Klöstern der Urbanistinnen stößt die Reform auf große Ablehnung. Zum Teil ist sie den Klöstern aufgezwungen, zum Teil kehren die Schwestern zu ihrer Ursprungsregel zurück. Es entstehen zwei neue Ordenszweige: Konzeptionistinnen (1489), die zunächst als Zisterzienserinnen von der hl. Beatrice da Silva (+1490) gegründet sind. Nach dem Tod ihrer Gründerin bekommen die Schwestern vom Papst die Erlaubnis, Klaras Regel anzunehmen. Später schreiben sie doch ihre eigene Regel, gestützt auf die Klararegel.

Annuntiatinnen. Die hl. Johanna von Valois (+1505) gründet die Annuntiatinnen, die von Anfang an unter die Leitung der Observanten gehören und die Privilegien der Klarissen genießen.

Die Reform brachte also drei Gruppen der Klöster zustande: Klöster, die zum Ideal der hl. Klara zurückkehren, Klöster, die zu anderen Regeln zurückkehren und neu gegründete Gemeinschaften, die die Klararegel annehmen.

Link zur Literaturquellen

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  1. Reform der Klarissenklöster
  2. Reform der hl. Coleta von Corbie
  3. Reform der Klöster mit einer anderen Gründungsgeschichte
  4. Reform der Urbanistinnenklöster