Kapitel des 1. Teiles: Einleitung. / Ich möchte nicht auf den Titanik einsteigen, oder: Haben die Orden Zukunft? / Ich möchte in ein kontemplatives Kloster eintreten. Welches hat, bitte, Berufungen? / Ich möchte nicht nur nach der Uhr funktionieren, sondern auch Zeit für mich haben. / Berufung wird von innen her gelebt.

Kapitel des 2. Teiles: „Und sprechen die Schwestern manchmal miteinander über Jesus?“ / „Ich kenne die Schwestern eigentlich nicht.“ / „Lebe hier eigentlich genau so, wie ich in der Welt gelebt habe?“ / „Ärgern sich die Schwestern manchmal?“ / „Ich sehne mich sehr, ab und zu umarmt zu werden!“ / „Ich möchte hier lieben.“ / „Und was wenn es einer Schwester nicht gut geht? Ist sie einsam?“

Kapitel des 3. Teiles: "Der Unterschied zwischen Probation und Formation." / "Zeit." / "Unterricht." / "Durchlauf der Probation." / "Resümee der Dynamik einer erfolgreichen Probation."

Kapitel des 4. Teiles: "Freude an Jesus." / "Freude an der Nachfolge." / "Freude an der Liebe." / " Freude an der Gemeinschaft."


Einleitung.

In diesem Artikel möchte ich Themen behandeln, die unbedingt in die Zeit der Suche der eigenen Berufung gehören. Mein geistlicher Begleiter sagte gerne: „Ein Schritt ins Kloster ist ein Schritt in die Dunkelheit.“ Er hatte Recht. Der Mensch begibt sich auf einen völlig neuen, bis jetzt nur geahnten Weg und nimmt die Herausforderung der Formation auf sich. Diese zeigt ihn sich selber oft in einem ganz anderen Licht, als er sich bis jetzt sah... Sie führt ihn durch die Dunkelheiten seines eigenen Inneren, damit er sensibel wird auf das wahre Licht. „Der Schritt in die Dunkelheit“ aber muss nicht in einen unerwarteten Schock münden, es müssen nicht plötzlich Abgründe und Tiefen entdeckt werden, von denen der Kandidat / die Kanditatin oder die Gemeinschaft gar nichts geahnt haben. In der Zeit des Kennenlernens eines konkreten Klosters sollen zwei wie Pilger unterwegs sein: Der Kanditat / die Kandidatin und die Gemeinschaft. Beide sollen sich suchend verwandeln, ergänzen, und erproben. Und weil ein junger Mensch eigentlich nicht weiß, was ihn erwartet, wonach er fragen soll, was wichtig ist, weil er noch nicht „auf der anderen Seite“ war, werde ich mich also in den folgenden Abschnitten mit diesen Themen befassen.

„Ich will nicht auf eine Titanic“ einsteigen, oder: Haben die Klöster Zukunft?

Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?“ (Lk 14,28).

Klöster der alten kontemplativen Orden sterben zum Teil aus. Dieser Trend ist vor allem in Westeuropa sichtbar, in Amerika, aber er verbreitet sich auch in die Gegenden, die „Gott noch kennen“, in denen die moderne Säkularisation noch nicht so fortgeschritten ist. In der Praxis bedeutet es also, dass entweder keine junge Menschen in die Klöster eintreten, oder nur vereinzelt und sie stehen in den veralterten Klöstern in einer präkeren Situation. Die Gründe für diese Entwickling sind verschieden. Außer der erwähnten Säkularisation – dem Trend sich auch ohne Gott zurecht zu finden ist ein bedeutender Fakt, dass in der Gesellschaft die Abtreibungen zunehmen und die Geburten abnehmen. Aber auch die gesamte Veränderung der Gesellschaft verändert die Bedingungen für das Erwachen neuer Berufungen. Und hier ist die Frage: Wie weit sind die Orden und einzelne Klöster flexibel, auf die jeweilige Epoche zu reagieren und ihre Spiritualität und Sendung von der erprobten Vergangenheit über die sehr unstete Gegenwart in die ungewisse Zukunft zu übertragen.

„Ich will nicht auf eine Titanic einsteigen“ – das war mein eigener „Schrei um Hilfe“ in der Zeit der Formation, als mir diese Situation ganz bewusst wurde. Ob eine konkrete Gemeinschaft eine Zukunft hat oder nicht, lässt sich zwar nicht hundertprozentig erkennen, weil Gott die Berufungen schenkt – er ist der, der beruft. Aber man kann feststellen, ob eine Gemeinschaft a) ihre Realität wahrnimmt, b) sich offen mit ihr beschäftigt durch die Suche des Willens Gottes und c) auch Schritte unternimmt, die nicht nur adäquat der gegebenen Situation sind, (z.B. die Verkleinerung des Klosters, Vereinfachung einiger Arbeiten). Die Gemeinschaft soll es auch wagen, in die Zukunft voraus zu schauen und sie auf dem reifen Boden einer langjährigen Erfahrung zu gestalten. Auf der anderen Seite steht natürlich auch die Frage, wie weit bin ich als Kanditat/in bereit, auch meinen Anteil in die gemeinsame Berufung reinzustecken, meine Kräfte, meine Bereitschaft, meine Liebe.

„Ich möchte in ein kontemplatives Kloster eintreten. Welches hat, bitte, Berufungen?“

Diese Frage aus einer e-mail vergesse ich wahrscheinlich nie. Sie erstaunte mich durch ihre Direktheit und durch ihre Wahrheit.

Gott ruft in eine konkrete Gemeinschaft, aber es ist die Frage, ob sie noch fähig ist, mit diesem Menschen in die Zukunft zu gehen: Ob sie ihm eine gute Formation geben kann, und eine Möglichkeit, seine Berufung zu leben auch dann, wenn aus biologischen Gründen aus der Gemeinschaft nur noch eine kleine Gruppe bleibt. Schnell kann nämlich geschehen, dass die letzten  drei Mitglieder das ganze Gebetspensum, die ganze Arbeit und den ganzen Dienst für die zwanzig schaffen „müssen“, für die das Kloster gebaut wurde. Nicht alles kann man dadurch lösen, dass man „seine Sorge auf den Herrn legt“ und erwartet, dass „er sorgt“. Gott gab uns nicht nur die Gabe der Frömmigkeit, sondern auch die des Verstandes – und der Geist Gottes gibt sich vor allem durch die Kreativität  (Gott ist Kreator – der Schöpfer) kund. Und so kann auch in einer kleinen Gruppe seiner armseligen Diener oder Dienerinnen eine neue fruchtbare Kraft wachsen.

Es ist die Frage, ob eine Gemeinschaft fähig ist, eine Vision der Zukunft zu bieten, aber Gott ruft in eine konkrete Gemeinschaft.

Schauen wir jetzt alles von der anderen Seite: Mit jedem, den Gott ruft, hat er selber einen persönlichen Plan, er hat für ihn eine persönliche Aufgabe, zu der er ihn einlädt. Vielleicht möchte er gerade durch diese „kleine Herde“ – oder sogar – „die einzelnen Schafe“ etwas neues entstehen lassen.

Vielleicht kommt hier die Frage: „Wie? Lange Jahre suchte ich meine Berufung und endlich habe ich mich zu einer Entscheidung durchgerungen und möchte eintreten und das bedeutet nur: wieder suchen?“

Ja und nein. Ja in dem Sinne, dass Gott gerne neuen Wein in neue Schläuche gießt (neue Berufungen in neue Formen) und das ist die Herausforderung für das ganze Ordensleben – sich nicht „einzunisten“.

Wir sehnen uns nach Übersicht, danach, „alles unter Kontrolle zu haben“, wir wünschen uns eine Sicherheit und das Wissen, ob wir richtig handeln. Wir sehnen uns nach Geborgenheit. Aber erwarten wir es nicht von äußeren Bedingungen! Die Berufung wird vor allem von innen her gelebt und zum Aufbau dieser Grundlage tragen auch die äußere Dinge bei – auch die, mit denen wir nicht rechnen. In diesem Sinne ist die Berufung von innen her stabil und der Mensch kann sie leben vielleicht sogar unter allen Umständen.

„Ich möchte nicht nur nach der Uhr funktionieren, sondern auch Zeit für mich haben!“

In der Gegenwart ist diese Entwicklung in einigen Gemeinschaften zu beobachten: Neue Orden vor allem in Frankreich, die radikal zu einer Lebensweise nach strengen Regeln zurückkehren (dazu gehört oft auch die Rückkehr zur Feier der hl. Messe im römischen Ritus, wie sie vor dem II.Vatikanischen Konzil gefeiert wurde (im Volksmund wird sie „Tridentinische“ genannt), haben viele Eintritte.

Vor dem Eintritt und auch am Anfang des Ordenslebens können diese strengen Regeln sehr faszinieren (auch ich sehnte mich nach einem armen Kloster aus dicken Mauern gebaut, am besten mit mittelalterlichen Bögen und gotischen Fenstern ;-). Die Lebensweise kann unbewusst dadurch anziehen, weil wenn mir jemand klar sagt, wie und was ich tun soll – und wenn dieses für etwas Gutes gehalten wird, gewinne ich ein Gefühl der Sicherheit, dass auch ich gut und richtig handle – Sicherheiten also, die in der heutigen Welt so furchtbar(!) fehlen. Vielleicht ist es heute das Schwerste, sich zu entscheiden. In den Klöstern, wo alle nach Regeln funktionieren ist mir diese Schwere angenehm abgenommen – ich laufe mit der Gruppe, in der ich mich verlieren kann, ich fühle mich als Teil eines vollkommenen und schönen Ganzen, das nach außen beeindruckt. Doch nach einiger Zeit meldet sich die natürliche Sehnsucht nach Originalität, nach Individualität, nach Selbstbestimmung und Verantwortung für sich selber. Der Mensch fängt an, „aus dem System herauszufallen“. Und hier können sehr ernsthafte Probleme auftauchen. Wenn eine Gemeinschaft nicht auch einen gewissen Grad an „Chaos“ oder Unvollkommenheit aushält, ist es fraglich, ob der Mensch in ihr die Freiheit der Kinder Gottes findet. Schauen wir also hinter die Fassade –  die armselige oder die vollkommene.  

Die Berufung wird von innen her gelebt.

In der Geschichte erlebte jeder Orden Zeiten der Blüte und Zeiten des Verfalls, oder sogar Auflösung. Gott führt uns durch diese Phasen hindurch. Und gerade dort, wo wir ratlos stehen, schenkt er starke Persönlichkeiten, die fähig sind, den Orden wieder zu beleben, attraktiv zu machen damit, dass sie wieder sein Charisma entdecken und es vor allem von Innen her leben, was sich auch nach außen auswirkt. Wichtig ist also bei der Suche nach der konkreten Gemeinschaft für meine Berufung, auch hinter die Mauer zu schauen. Es ist wichtig, zu wissen, was ich von der Gemeinschaft erwarten darf, was sie von mir erwarten darf, wie die Formation gestaltet wird und was ihr Ziel ist; wie in der Gemeinschaft die Beziehungen gelebt werden und wie die Einsamkeit.

Zurück nach oben
Zurück zur Seite "Berufen"


Kloster ist nicht gleich Kloster, auch wenn es zum gleichen Orden gehört. Besonders die Klöster der alten Orden sind selbständig, haben ihre je eigene Geschichte, ihre Bräuche, ihre Art, wie sie nach der Regel leben und wie sie die eigene Spiritualität verstehen. Deshalb ist es wichtig, beides zu erkennen: In welchen Orden mich Gott ruft und in welche Gemeinschaft.

Und sprechen die Schwestern manchmal miteinander über Jesus?“

Jesus ist Alpha und Omega des ganzen Ordenslebens. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurden mehrere Bücher herausgegeben, geschrieben von ehemaligen Ordensschwestern, die ihre Erfahrung im Kloster von der Zeit ihres Eintritts bis zu ihrem Austritt schildern. Sehr auffällig ist es, dass diese Schwestern keine genügende Beziehung zu Jesus hatten. Eine von ihnen hat gleich am ersten Tag das Kreuz von der Wand in ihrer Zelle genommen und es in eine Schublade verstaut. Eine andere schreibt gar nicht über ihn.

Mit Jesus steht und fällt die Ordensberufung. Er ist es, der als der Einzige überall dort bleibt, wo alles andere seinen Sinn verliert. Er ist es, der um dich kämpft, auch wenn du keinen Schritt mehr aus eigener Kraft schaffst. Er ist es, der überhaupt dem ganzen Ordensleben den Sinn gibt.

Wenn Schwestern untereinander nie über Jesus sprechen, wenn es an der Möglichkeit fehlt, ihre Liebe zu ihm, ihre Leidenschaft für ihn zu erspüren, findest du in einer solchen Gemeinschaft kaum den Raum, in dem du auch deine intime Seite mitteilen kannst. Und Intimität darf nicht Tabu sein im Kloster, besonders, wenn du darin 24 Stunden pro Tag lebst. Jesus gehört nicht nur in die Liturgie. Er ist der Bräutigam einer jeden Schwester – und die Mannigfaltigkeit ihrer Beziehungen zu ihm bringt Buntheit, Freude und Schönheit in die Gemeinschaft.

Ich kenne die Schwestern eigentlich nicht.“

Einige Klöster bieten für die Kanditaten/innen verschiedene Grade des gemeinsamen Kennenlernens an. Am Anfang steht der erste Kontakt, später vielleicht ein Gespräch, dann ein mehrtägiger Aufenthalt im Gästebereich des Klosters, weiter gemeinsames Gebet und Arbeit im Klausurbereich des Klosters bis zu einwöchigen bis monatlichen Aufenthalten direkt in der Klausur. Also eine Probe des Ordenslebens, wie es die Schwestern leben mit der Teilnahme an der ganzen Tagesordnung. Auf diese Weise lernt dich nicht nur eine Schweter kennen, die mit dir Kontakt hält, sondern die ganze Gemeinschaft – und umgekehrt – du lernst nicht nur eine Schwester kennen, sondern alle. Du erlebst die Atmosphäre, die im Kloster herrscht, vielleicht auch einige Konflikte oder Spannungen und die Art, wie die Schwestern damit umgehen.

Es gibt aber Gemeinschaften, die dich erst mit dem Eintritt über die Schwelle der Klausur einlassen. Diese Weise ist ziemlich riskant, weil du nicht weißt, was dich vor allem menschlich, in den Beziehungen, erwartet. Wenn eine Gemeinschaft, zu der du dich hin berufen fühlst, diese Art der Kanditatur pflegt, versuche dich über dieses Kloster und seine Gemeinschaft ein wenig zu informieren durch jemanden, der mehr Zugang zu ihm hat, z.B. ein Geistlicher oder der Ortsbischof, oder andere Gemeinschaften des gleichen Ordens.

„Vertraue, aber prüfe nach“ ist eine gute Regel bei den Gemeinschaften, die nicht viel über sich nach außen zu wissen geben.

Ich lebe hier eigentlich genau so, wie ich in der Welt gelebt habe“.

Jede/r nimmt die Welt mit sich, überall, das ist ein Faktum. Erwarte nicht, dass dich die Klostermauer verändert und erwarte nicht hinter den Klostermauern ein Ideal. Aber hinter dieser Aussage verbirgt sich doch eine Wahrheit.

Jede Gemeinschaft soll sich bemühen, nach der Regel zu leben in der Zeit, in der sie lebt. Die Gesellschaft, in der wir heranwachsen, formt und erzieht uns von Kindheit an. Deshalb kann man das Leben der Kommunität nicht nur einfach tradieren (übertragen) von Generation auf Generation in allen Details. Vieles muss „übersetzt“ werden in die „Sprache“ der heutigen Zeit. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich das Kloster dem Zeitgeist der Welt anpassen soll. „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ (Joh 17,15-16). Deshalb soll darauf geachtet werden, ob das Kloster eine gewisse Aszese hält. Ob das Silentium (Schweigezeiten) gehalten wird, ob sich Gebet Arbeit und Freizeit in einem gesunden Maße abwechseln, ob schwerwiegende schlechte Angewohnheiten eines einzelnen die ganze Gemeinschaft bestimmen. Er ist nämlich nicht nur für sich selber verantwortlich. Auch gegenseitig sollen wir uns helfen zu halten, was wir versprochen und gelobt haben. Wir können nicht tun, was uns gefällt – auch das kann zur Aufsplitterung der Gemeinschaft führen und zur Frustration des Berufenen.

Ärgern sich die Schwestern manchmal?“

Die Frage, wie eine Gemeinschaft mit den Konflikten umgeht, ist eine Schlüsselfrage. In der Vergangenheit – aber es gibt auch Gemeinschaften, die noch heute danach leben – hielt man für vollkommen, zu jedem Mitglied möglichst die gleiche Beziehung zu haben – also um keinen Preis gewisse Lieblingspersonen in der Gemeinschaft heraus zu profilieren. Das Motto dieses Verständnisses ist: „Wenn du mit jemanden sprichst, musst du es so tun, dass jeder Zeit ein dritter dazu kommen kann.“ Was auf den ersten Blick gerecht aussieht, zeigt aber sehr schnell seine unnatürliche Seite. In der Gemeinschaft nämlich herrscht dann eine seltsame Atmosphäre, in der niemand weiß, was der andere über ihn denkt. Es entstehen Spannungen, die sich nicht einordnen oder benennen lassen. Die Konflikte werden verschwiegen, weil sie nicht unter vier Augen gelöst werden können. Auch wenn eine Schwester oder ein Bruder diesen Druck nicht aushält und irgendwie „platzt“ – ob vor einem anderen Mittglied der Gemeinschaft oder vor dem Oberen, hat er eher Gewissensbisse und versucht, seine Emotionen in Zukunft noch besser zu beherrschen – also besser zu „verstecken“ – was aber nicht gelingen kann. In der Vergangenheit gab es sogenannte „Schuldkapitel“, gemeinsame Treffen der Kommunität, bei denen zumindest möglich war das auszusprechen, was mir Leid tut, was ich vernachlässigt habe, womit ich die Gemeinschaft verletzt habe. Es waren gewisse Kanäle, wo es zumindest einseitig möglich war, etwas Negatives auszusprechen, dem einen Raum zu geben. Aber diese Kapitel überlebten nicht in dieser Form, vor allem nachdem die Menschen anfingen, die Schuld und die Vergebung auf der Grundlage der neuen psychologischen Kenntnissen zu verstehen. Außerdem war die Form nicht gerade aufbauend deshalb, weil jeder einfach etwas sagen musste. An die Stelle dieser Schuldkapitel kam bis jetzt noch keine gute andere Alternative. Deshalb: Wenn es in einer Gemeinschaft nicht möglich ist, in irgendeiner Weise Schwierigkeiten auszusprechen, findet man menschlich schwer seinen eigenen Platz.

Ich sehnte mich sehr, ab und zu umarmt zu werden!“

Der Abt eines Benediktinerklosters hatte die Gewohnheit, ab und zu die Brüder einzeln zu sich zu einem persönlichen Gespräch zu rufen. Eine der Fragen war: „Hast Du in der Gemeinschaft mindestens einen Freund?“ Diesem Abt lag viel daran, dass die Brüder in einem emotionell offenen, freundschaftlichen und so auch brüderlichem Klima lebten.

Man braucht keine Angst vor der Freundschaft im Kloster zu haben. Wenn diese Freundschaft offen ist vor der Gemeinschaft, ist sie ein großes Geschenk für ihr menschliches Klima.

Nur eine Freundschaft, die ausschließlich wird, die sich in sich verschließt, die zuletzt beide Mitglieder aneinander bindet und sie unfrei macht, belastet eine Gemeinschaft. In dem Fall geht es um eine unreife Beziehung. Kein Mitglied der Kommunität kann die Mutter oder den Vater ersetzen. Den Schritt in die Reife muss ich allein tun durch die Annahme meiner selbst und meines emotionalen Leben.

Ich konnte dort nicht lieben“.

Jede/r von uns hat eine ganz originelle Weise, wie sie/er seine Zuneigung, Freundschaft und Liebe zeigt. In einer Gemeinschaft sollte dafür genügend Raum sein. Wenn alles bis zum letzten Punkt geregelt ist – wenn jeder „seinen Bereich“ hat, für den er/sie allein die Verantwortung trägt und wo kein anderer zu „pfuschen“ (helfen) hat, vermindern sich die Möglichkeiten für die Liebesdienste, von denen die Gemeinschaft lebt. Eine Situation kann dazu einen Beispiel geben: Eine Schwester war verantwortlich für das Servieren des Obstes für den Abendtisch. Eine ihre Mitschwestern konnte eine Obssorte nicht vertragen, so legte sie noch eine Apfelsine dazu. Die Schale machte ihre Runde von Schwester zu Schwester und eine andere nahm die Apfelsine. Die verantwortliche Schwester lief schnell in den Keller, brachte noch eine Apfelsine und gab sie der richtigen Schwester. Die hat sich zunächst spontan sehr gefreut und herzlich bedankt. Nach dem Abendbrot jedoch kam sie zu ihrer Mitschweser und bat sie, dies nie wieder zu tun. Sie habe beim Abendbrot darüber nachgedacht und festgestellt, dass sie auf dieser Weise für etwas Extra in der Kommunität gelten würde und das wäre ihr unangenehm.

Eine Gemeinschaft, in der du „nicht lieben kannst“, in der dir die Hände gebunden sind durch Vorschriften, die sich eher für eine „unbarmherzige Ordnung“ als für etwas „chaotische Liebe“ entscheidet, wird dir nur schwer zu erkennen geben, dass sie dich mit dem Herzen annimmt. Vielleicht gewinnst du eher den Eindruck, dass du in ihr nur funktionierst wie ein Rad in einer Maschine. Du erkennst die Vereinsamung.

Und wenn es einer Schwester nicht gut ging, verschwand siw in der Einsamkeit.“

Wie geht eine Gemeinschaft mit den Krisen ihrer Mitglieder um? Es ist sicherlich sehr unangenehm, wenn alle Probleme im ganzen Konvent „ausposauniert“ werden, aber auch die Verheimlichung der Probleme der einzelnen tut keinen guten Dienst, weil keine Solidarität aufkeimen kann. Auch die Krisen festigen die Gemeinschaft. Sie zeigen uns unsere Zerbrechlichkeit und unsere Angewiesenheit aufeinander, das Bedürfnis des Verstanden-werden, der Annahme, der Hilfe. Es ist zu spät, eines Abends zur Kenntnis zu nehmen, dass deine Mitschwester, mit der du Tag für Tag, Monat für Monat, sogar Jahr für Jahr verbracht hast, am nächsten Tag aus dem Kloster austritt. Es ist zu spät nicht nur für den Abschied, es ist zu spät, weil sie auf ihrem Weg alleine litt.

Die Zweifel und Krisen gehören zum Leben der Gemeinschaft und dürfen in ihr nicht tabuisiert werden. Sonst erkennst du nicht, ob die Gemeinschaft dich trägt und erträgt, ob sie dich hält und aushält. Auch zu den Zweifeln gehört Mut – wer würde sich doch bereitwillig die Krisen wünschen? Wenn deine Mitschwester ihren persönlichen Kreuzweg erleidet und wenn sie sich in der Gemeinschaft auch mit Tränengesicht oder in der Nacktheit ihrer Wunden zeigen kann, ist ihr Leiden ein Segen für die ganze Gemeinschaft – und in ihrem Spiegel wird ihr Leiden ein Segen für sie selber. „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1.Kor 1,23-25)

Zurück nach oben

Zurück zur Seite "Berufen"


Wer meint, dass die Formation aus ihm einen neuen Menschen macht, den lehrt die Erfahrung etwas anderes. Das Wort „Formation“ ist nicht der genaue Ausdruck für das, was in den ersten Jahren im Kloster geschieht. Der hl. Ignatius von Loyola, ein großer Lehrer der Unterscheidung der Geister (und der Unterscheidung der Berufung) gebraucht in seinen Schriften ausschließlich das Wort „Probation“, also Erprobung, Probieren, Probe. In der Zeit der Probation stelle ich also fest, ob die gewählte Lebensform zu mir „passt“, ob sie es ist, die Gott für mich vorzieht und für die er mich mit Begabungen, Talenten, Fähigkeiten ausgestattet hat und wo ich ein mehr liebender Mensch werden kann.
Erfahrene geistliche Begleiter bezweifeln, dass sich ein Erwachsener ändern kann und also formen. Eine Novizenmeisterin stellte sachlich fest im Bezug zu ihren Juniorinnen: „Einige Zeit nach der Ewigen Profess finde ich in ihnen die ehemaligen Postulantinnen wieder.“ Als ob all das, was sie ihnen beizubringen versuchte, sich wieder löste und wie eine Luftwolke verschwand. Was passiert also in der Zeit der Porbation?
Wenn ich auf meinen eigenen Weg zurückblicke, muss ich diese Erfahrung bekräftigen. Als ob ich in der Zeit der Probation (ich wähle nun diesen Ausdruck) einen riesigen Kreis gegangen bin, bis ich mich wieder fand – bis ich wieder nach vielen Krisen und Dunkelstrecken den Menschen getroffen habe, der ich vor dem Eintritt war, aber mit einem entscheidendem Unterschied: Ich fand mich in dieser Berufung! Ich denke sogar, dass dies das Ziel der Probation ist.

Der Unterschied zwischen Probation und Formation.

Schon während der Suche nach einer konkreten Berufung, also vor dem Eintritt, forscht der Mensch, ob er das „kann“, und aus ganz verschiedenen Erfahrungen kommt er schließlich zu der Entscheidung für den Eintritt. Während dieses Weges berührt er viele Aspekte der künftigen Lebensweise und erprobt sich darin – er probiert. Er probiert, soweit es geht, das, was er in der Zukunft leben möchte, oder was er meint, er sollte es leben. Während dieses Weges lernt er seine starken Seiten, seine Grenzen, seine Zweifel, seine Schwächen und auch seine Träume über sich in der Zukunft kennen.
Ich erwähne ein Beispiel: Er versucht es, täglich zur hl. Messe zu gehen und nach einger Zeit stellt er fest, dass die Messe ihn manchmal langweilt, dass er in ihr nichts fühlt, oder sie ihm sogar  leer erscheint; und hier steht er vor der Entscheidung, ob er damit aufhört oder ob er darin ausharrt. Anders gesagt – er trifft sich Auge in Auge mit seiner eigenen Persönlichkeit und ihren  Eigenschaften -  und steht so in der Aufgabe des Formators sich selbst gegenüber: Überwinde ich mich, oder gebe ich meinem Komfort nach?
Der Formator (Probator) in einem Kloster vermag nichts, wenn du selber diese Aufgabe schon vor dem Eintritt ablehnst. Bis zu einem gewissen Alter lehren dich die anderen, wie du mit dem Leben zurecht kommst, sie versuchen dich den sichersten Weg zu führen, sie versuchen dich zu lehren, wie du mit dir selber umgehen sollst. Ab einem bestimmten Alter bist du für dich selber verantwortlich. Kein „Formator“ kann diesen Schritt umkehren – er kann nicht die Aufgabe deines Erziehers übernehmen, er kann dich begleiten und dir die Lebensweise des Ordens erschließen. Daraus ergibt sich, dass die Formation zum großen Teil an dir selber liegt: An deiner Fähigkeit, im Leben zu lernen, durch das Leben zu lernen. Es liegt an dir, ob du dich den Bedingungen der Probation öffnest und ob du dich Gott öffnest, damit er dich formen kann, damit er dich Schritt für Schritt in das Bild verwandelt, auf das er dich erschaffen hat, damit du ihm immer ähnlicher werdest (eigentlich ist nur Gott im wahren Sinne des Wortes Formator).
Und dies dauert ein ganzes Leben lang. Deshalb ist der Begriff „Formation“ eher ein Begriff für einen lebenslänglichen Prozess und die Probation bezeichnet nur die ersten Jahre im Kloster. Was sollte sie beinhalten?

Zeit.

An erster Stelle ist es wichtig, dass der Probator nicht so viele verschiedene Aufgaben hat. Seine Aufgabe ist so komplex, dass er für sie Zeit haben muss. Er muss Zeit haben, den Unterricht vorzubereiten, Zeit für das Selbststudium – für die eigene Bildung, Zeit für die Gespräche mit den Noviz/inn/en, Zeit für genug Gebet und also Zeit für die eigene Formation durch Gott.
Auch die Noviz/inn/en brauchen Zeit, Zeit für die Schritte in der Probation, für das sich-gewöhnen im Kloster, für Lernen, Freizeit, Selbstreflexion. Die Arbeit ist auch ein sehr wichtiger Aspekt, doch soll sie nicht allzuviel Zeit und Kraft beanspruchen, die der Mensch für die inneren Prozesse braucht.

Unterricht.

Das Postulat, Noviziat und Juniorat sind keine Schule, aber im Unterricht sollte eine gute Grundlage in all den Gebieten gelegt werden, die für das geistliche und körperliche Leben wichtig sind. Auf diesem Grund kannst du dann dein eigenes Selbststudium aufbauen, sie bietet dir ein Spektrum der Bereiche, in denen du dann selber die Antworten auf deine Lebensfragen und Lebensprozesse suchen kannst.
Welche konkreten Fächer sollten in der Zeit der Probation vorkommen?
Die Vorstellung und das Einüben verschiedener Arten des Gebetes (vom gesprochenen bis zur Kontemplation).
Das Lesen und die Betrachtung der Bibel. Es ist sehr nützlich für das ganze Leben, im Rahmen der Probation die ganze Bibel zu lesen. (Eine empfohlene Methode ist die Lectio divina. Sie beinhaltet die Schritte des Bekanntwerdens des Textes, des Lernens und des Gebetes mit der Übertragung in das reale Leben durch die Taten.)
Bekanntwerden mit den Schriften der Kirchenväter und Wüstenväter (traditionelle theologische Grundlage aus den ersten Jahrhunderten des Christentums).
Oder auch Grundkurs in der Theologie (umfassende theologische Grundlage).
Kirchengeschichte, Geschichte des eigenen Ordens.
Die eigene Spiritualität des Ordens: Schriften, Regel, andere Publikationen.
Das Einüben einer guten Kommunikation und des Umgangs mit den Konflikten innerhalb der Noviziatsgruppe, Einüben des geistlichen Teilens.
In dem Fall, dass es keine Noviziatsgruppe gibt, hat es sich gut bewährt an den gemeinsamen Kursen (3-6 Tage) der Postulate, Noviziate und Juniorate verschiedener Ordensgemeinschaften teilzunehmen – auch der klausurierten (ob ich die Klausur gerne habe stelle ich nicht dadurch fest, dass ich sie nie verlasse, sondern dass ich immer wieder gerne in sie zurückkomme). In diesen Kursen oder Seminaren wird gewöhnlich ein wichtiges Thema der Ordensausbildung behandelt, z.B. die Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam und dies auf einem sehr guten Niveau. (Geschulte Referenten). Hier kann jeder auch den anderen jungen Ordensleuten im Prozess der Probation begegnen. Er stellt fest, dass auch sie die gleichen Phasen, Krisen und Freuden erleben. Mit Erleichterung stellt er fest: „Ich bin kein Marsmensch“ ;-) und kommt gestärkt und froh in die eigene Gemeinschaft zurück.
Sport. Nicht nur gelegentlich zum Abbau von zu viel Energie, sondern regelmäßig für die dauerhafte Gesundheit des Körpers und der Seele. (Z.B. Übungen, die man überall während des Tages machen kann ohne besondere Hilfsmittel.)

Durchlauf der Probation.

Jeder erlebt die eigene Probation so individuell, wie er von Gott erschaffen ist. Aber einen gewissen Weg kann man in etwa skizzieren. Anders gesagt: Das Postulat muss sich vom Noviziat unterscheiden und das Juniorat vom Noviziat in der Form und in der persönlichen Reifung auf dem Weg der Probation. Eine solche Skizze zeichne ich hier, aber es bedeutet nicht, dass die einzelnen Schritte genau in diesen Phasen durchlaufen.
Die erste Phase (Postulat) ist darin typisch, dass der Mensch versucht, sich an die Gemeinschaft anzupassen. Er ahmt ihre Bräuche nach, nimmt teil an der Tagesordnung, mit einem Wort, er ist Bruder oder Schwester auf Probe... In dieser Phase probiere ich, ob ich so leben kann, ob ich so zu leben vermag. Aber auch wenn mir in dieser Phase der „Atem ausgeht“, wenn ich z.B. bei der Menge der Gebete an meine Grenzen komme, muss es nicht unbedingt ein negatives Zeichen sein. Vieles wird nach und nach eingelernt und oft genügt mein guter Wille.
Die zweite Phase (Noviziat) ist eine Phase, in der es in konzentrierter Form zu Auseinandersetzungen kommt, zur Reibung, zur Konfrontation mit dem gewählten Weg. Wichtig für diese Phase ist es, einige Vorbilder zu finden, mit denen ich mich identifizieren kann, z.B. eine ältere Mitschwester, die den Geist des Charisma ausstrahlt, die mich an mein eigenes Ideal erinnert. Es können auch Heilige sein. Die Betonung wird hier auch auf das Erkennen dessen gelegt, was ich tun und leben soll. Was erwartet die Gemeinschaft von mir? Was ist die Herausforderung dieser Lebensweise und wie kann ich sie mir zu eigen machen?
Die dritte Phase (Juniorat) sollte ein Einfüren in die Freiheit und Selbstverantwortung sein. Die Lebensweise ist mir zu eigen geworden, ich probiere – lebe sie nun auf Probe bereits mit den Gelübden. Meine Aufgabe, so zu leben soll sich nun dem Willen öffnen: Will ich so leben? Die definitive Entscheidung muss ich in völliger Freiheit des Willens tun. In dieser Phase wird empfohlen, die Junior/inn/en „ohne Kontrolle“ zu lassen – ohne zu viel Eingreifen in ihr Verhalten. Sie dürfen ausprobieren, sich ganz frei in der gewählten Lebensweise zu bewegen, damit sie feststellen können, was ihnen dient und was ihnen keine gute Dienste tut. (Z.B. wird eine Juniorin unpünklich – nicht darauf ansprechen von der Seite der Probatorin bzw. des Konventes. So stellt die Juniorin nicht nur fest, dass ihre Unpünktlichkeit sie selber stört, sondern auch das, dass ihr die Gemeinschaft vertraut, dass sie einen besseren Umgang mit der Zeit findet).

Zum Schluss ein kleines Resümee der Dynamik einer erfolgreichen Probation im Vergleich zu: Mt 25,31-40

Der Probant an die Gemeinschaft:

Ich war neu und fremd – und ihr habt mich angenommen, so wie ich bin.
Ich war von Vielem enttäuscht und ich wollte so vieles verändern – und ihr habt mit mir Geduld gehabt.
Ich war mit der Kraft am Ende und ich konnte keinen Schritt mehr nach vorne tun – und ihr habt für mich eine gute Hilfe gesucht.
Ich war aufgebracht und alles ging mir auf die Nerven – und ihr habt mich nicht fertig gemacht mit Besserwisserei.
Ich fühlte mich von Gott und den Menschen verlassen und verstand mich gar nicht mehr – und ihr habt mit mir still gelitten.
Ich war voll Euphorie, Freude und Glück – und ihr habt mich nicht durch Zynismus in die harte Realität zurückgeworfen.
Ich verstand euch nicht und ihr seid mir auf die Nerven gegangen – und ihr habt es mit mir nicht aufgegeben.
Ich war erschöpft – und ihr habt mir die Tür der Barmherzigkeit geöffnet.
Ich wollte reden und reden, ich wollte alles sagen, damit ich zur Freiheit gelange – und ihr habt mir eure Zeit und ein Ohr geschenkt.
Ich war entwurzelt und sehnte mich nach Liebe – und ihr habt mir euer Herz geöffnet, wo ich mich ausruhen konnte.

Die Gemeinschaft an den Probanten:

Du warst neu und fremd – aber du schenktest uns dein Vertrauen.
Du warst von Vielem enttäuscht und wolltest so vieles verändern – aber du hast die Möglichkeit angenommen, dass Vieles aus der Erfahrung herauswuchs.
Du warst mit der Kraft am Ende und konntest keinen Schritt mehr nach vorne tun – aber du hast dich nicht gehen lassen und warst bereit, Hilfe anzunehmen.
Du warst aufgebracht und alles ging dir auf die Nerven – aber du ertrugst dich selbst und lerntest es, mit den Kräften in dir umzugehen.  
Du fühltest dich von Gott und den Menschen verlassen und verstandest dich gar nicht mehr –aber du harrtest aus in Geduld.
Du warst voll Euphorie, Freude und Glück – aber hast sie nicht zum Maßstab des Erfolgs in deinem Leben gemacht.  
Du verstandest uns nicht und wir sind dir auf die Nerven gegangen – aber du versuchtest es, einen jeden von uns anzunehmen.  
Du warst erschöpft – und hast deine Grenzen anerkannt und ließest dich durch die Gemeinschaft tragen.
Du wolltest reden und reden, du wolltest alles sagen, damit du zur Freiheit gelangst – und du fandest den Mut, aus dir selber heraus zu kommen und hattest keine Angst, dich in deiner Verletzlichkeit zu zeigen.
Du warst entwurzelt und sehntest dich nach Liebe – und du gabst zu, dass du tiefe Bedürfnisse hast und hast sie angenommen.

Zurück nach oben

Zurück zur Seite "Berufen"


Im Noviziat zeichnete ich kleine Comics: „Biblische Geschichten ein bisschen anders“ und habe auch die Erzählung von dem reichen Jüngling verarbeitet. (Mk 10,17-27). Auf Jesu Aufruf: „Dann komm und folge mir nach“ wird dieser traurig, genau wie es im Evangelium steht, trotzdem aber folgt er Jesus nach. So traurig, wie er ist. Traurig wegen all dem, was er verlassen muss, unsicher wegen seiner Zukunft, aber im Vertrauen, dass Jesus ihn dorthin führen wird, wo er Freude und Glück findet...
Und genau dies wirkt Jesus auch in unserem Leben. Die ersten Schritte der Nachfolge können extrem schwierig sein, aber Jesus wird seine Verheißung mit Sicherheit erfüllen, weil der Weg der Berufung vor allem seine Angelegenheit ist. Er ruft und wir antworten auf seine Liebe mit der unsrigen.
„Da antwortete Petrus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“ … „Jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,27.29)

Freude an Jesus.

Jesus ist der Bräutigam, der einen Menschen nie enttäuschen wird. Seine Liebe ist die Erste – er liebt uns noch bevor wir uns uns selber bewusst werden.. Jesus zu lieben macht glücklich. Er ist immer bei dir, verlässt dich nie, er ist der Ausweg aus allen Sackgassen. Zwar kannst du ihn nicht „betasten“, doch wohnst du in ihm, wenn du ihm ergeben bist. Aus Jesu Liebe „fällst du nie heraus“. Bereits an ihn zu denken macht den Menschen glücklich und füllt ihn mit Sehnsucht aus. Und wer seine Liebe erkannt hat, kann nicht anders, als immer wieder zu ihr zurückkehren.

Freude an der Nachfolge.

Jesus macht deinen Weg vertrauenswürdig: Du kannst dich darauf verlassen, dass er gut ist – und dass all das, was ihn füllt, zum Guten dient. Jesus verwandelte keine Steine zu Brot, aber dank dieser Steine befestigte sich seine Berufung. (Vgl. Mt 4,1-4).
Das heißt, dass manchmal die Freude aus Dingen hervorgeht, die auf den ersten Blick nicht gut erscheinen. Jede Erfahrung auf deinem Weg der Berufung kann aus dir einen Menschen mit Format machen – sie kann dich wachsen lassen, über dich selber hinaus.
Und dies bringt auch große Freude: Die Frucht der oder jener Situation zu erkennen und sie in das „Körbchen“ der Lebenserfahrungen zu legen. Wer weiß, wozu sie noch gut sein wird. Vielleicht wirst du sie später jemandem schenken können, der in die gleichen Situation gerät... Sammle die Steinchen der unangenehmen Situationen, weil es potentielle Perlen sind.
Die Freude kannst du dir auch selber bereiten auf dem Weg deiner Berufung – durch die Annahme der Herausforderung des Wachstums, des Lernens... Es gibt Momente, in denen du mit strahlendem Gesicht feststellst, dass du etwas ganz Großes verstanden hast, begriffen, dass du auf dem Berufungsweg vorangekommen bist. Und du hast Lust, dich auf die neuen Abenteuer der Nachfolge Christi einzulassen.
Du bist nicht darauf angewiesen, dass du deinen Weg irgendwie mühsam zusammenstellst. Wenn du dich jeden Tag Jesus empfiehlst und schenkst, erlebst du immer Überraschungen. Du erfährst dein Leben als ein immer neues Geschenk Gottes. Es ist schön, im Dienste Gottes zu stehen! Es ist schön, sein Werkzeug zu sein. Nur Gottes Wille kann den unseren völlig zufrieden stellen.

Freude an der Liebe.

Dein Weg macht dir Freude, wenn er aus Liebe besteht. Einmal habe ich in den Exerzitien zum Thema Berufung diesen Gedanken zur Betrachtung bekommen: „Wenn du dich zwischen zwei Wegen nicht entscheiden kannst, dann wähle den schwierigeren und mühsameren, weil du sicher sein kannst, dass dich die Liebe bewegt, nicht die Selbstsucht.“ Ich dachte viele Jahre darüber nach. Manchmal stimmte ich zu, manchmal behauptete ich das Gegenteil. Eines aber stritt ich dem Gedanken nie ab: Das Maß der Wahl und des Glücks ist die geschenkte Liebe.
Wenn du liebst, gibt es nichts, was in deinem Leben schließlich negativ wirkt. Der Lebenserfolg der Heiligen bestand nicht darin, dass sie ein Leben voller Freude hatten, aber dass sie sich bei allem freuen konnten.
Irgendwo in der Tiefe lebt der Same, den Jesus – der Sämann in dich gesät hat. Und das schöne in jeder Situation auf dem Weg der Berufung ist, dass sie dich genau zu diesem Samen hinführt – dass sie dir alles Überflüssige, Zerbrechliche, Brüchige, Schwache zeigt, worauf du nicht bauen kannst – und dich zu jenem kleinen Samenkorn führt, das alles trägt. Jesus baut sein Reich auf kleinen Samenkörnern. Wunderbar drückt es der Schriftsteller Michael Ende aus in seinem Buch „Die unendliche Geschichte“. Der Junge Bastian ist überzeugt, dass er gescheitert ist – das ganze Reich der Phantasie ist im Nichts verschwunden. Aber die Königin der Phantasie strahlt voll Freude – in der Hand hat sie das letzte Sandkorn  des Reiches und es genügt, dass Bastian seine Wünsche ausspricht, und das Reich entsteht wieder – nach seiner Phantasie...
Unsere Berufung steht nicht darauf, ob wir mit lauter heiligen Mitschwestern umgeben sind, auch nicht, ob das Kloster zu denen gehören wird, die sich der Herr erwählt und durch neue Berufungen segnet, oder ob es aufgelöst wird... Unsere Berufung steht auf dem Samenkorn des Liebesrufes Jesu – und dies geht über alle unsere Vorstellungen und gibt uns Freude und Gewissheit. Dieses einzige Korn ist fähig, den Menschen mit unbegrenzten Freude zu erfüllen. Mit Mut. Mit Kraft. Mit Lust. Und mit einem neuen Schritt auf dem Berufungsweg.

Freude an der Gemeinschaft.

Das Leben im Kloster bringt unzählig viele unerwartete Situationen. Sie sind oft ganz winzig, aber bedeutend. Es sind Momente, wo z.B. die ganze Gemeinschaft über den Spruch einer Schwester lacht, dabei die Schwester, überrascht über sich selber, am meisten lacht. Es sind Momente, wo dich die Dankbarkeit für diesen Ort überflutet, die Freude über die Gemeinschaft, wo du bist. Es ist z.B. der Moment, wenn dich das Wörtchen „wir“ aus deinem Mund überrascht, während du bis jetzt immer von „mir und der Gemeinschaft“ sprachst. Es kann auch der Moment sein, wenn dir eine älter Schwester mit Rollator den Gang versperrt und du bis zum Ziel im Schneckentempo schreiten musst. Und da fängst du an über dich selber zu lachen, beim Betrachten all der Reaktionen, die innerhalb einer Minute in deinem Inneren ablaufen. Die Liebe in dir kann aufleben, wenn vor dir eine Mitschwester erscheint, die schon stundenlang ihre Brille sucht und du siehst sie an dem Schnürchen um ihren Hals hängen.
Das Glück kann dich durchströmen, wenn du im Garten spazierst und dir bewusst wird, dass alles, was du hier lebst, auf Jesus hin ausgerichtet ist. Es ist schön, Jesus nachzufolgen. Es ist schön, zu wissen, dass du im Willen Gottes stehst, dass du in einer Lebensform lebst, die grundsätzlich gut ist. Es ist schön, zu wissen, dass alles ein Sinn hat, dass du die Kirche ergänzest, die Braut Christi, Braut des Lammes, der alles mit seiner Gegenwart durchdringt.  Wenn diese Freude deine ersten Schritte begleitet und wenn sie sich mit der Zeit vertieft, sich weitet und wächst, ist sie deine Kraft auf dem Weg der Berufung. (vgl. Neh 8,10)

Zurück nach oben

Zurück zur Seite "Berufen"



  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .

  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .

  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • ..
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .

  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .
  • .